Ein Herausforderer wie German Wings kann seinen Flugplan nur verbessern, wenn Termine von Lufthansa und anderen Airines aufgegeben werden, weil sie die nicht nutzen wollen oder können. Dann verteilt der Flugplai-Koordinator, ein Beamter des Bundesverkehrsmnisteriums, die freigewordenen Slots an andere Fluglinien – nach einem Verfahren, gegen das sich ein orientalischer Bazar klar und übersichtlich ausnimnt.

Als wirksame taktische Waffe in schmutzigen Luftkampf gilt in der Branche zudem, ungenutzte Slots erst so spät zurückzugeben, daß die Konkurrenten damit nichts mehr anfangen können, weil die Flugpläne – jeweils für ein halles Jahr gültig – bereits gedruckt und verteilt sind Dieses Spielchen hatten die Münchner gerade zum ersten Mal durchkreuzt. Trotz aller damit verbundenen Nachteile, beispielsweise verärgerte lassagiere, die mit überholten Abflugzeiten rechnen, entschloß sich German Wings, mitten in der Saison den Flugplan zu ändern, um doch noch Slots zu nutzen, die plötzlich frei geworden warei. Lufthansa, so die Behauptung der Münchner, lätte sie absichtlich spät an den Koordinator zurückgereicht.

Der Vorwurf Kimmeis an die Staaslinie Lufthansa lautet eindeutig: Sie hortet zum Schaden der Wettbewerber Slots, solange es irgend geht. Der German-Wings-Chef ist fest davon überzeugt: "Wenn es im Luftverkehr innerhalb de Bundesrepublik Deutschland Wettbewerb geber soll, muß vor allem die Slotblockade der Lufthaisa gebrochen werden." Und er legt noch einen drauf: "Freier Wettbewerb ist für den volkseigenen Betrieb Lufthansa nur ein Lippenbekenntnis

Noch in der vergangenen Woche ließ Kimmel die Chancen prüfen, per Gerichtsbeschluß bessere Start- und Landezeiten für seine sechs Flugzeuge des Typs McDonnel-Douglas MD 83 zu erstreiten. Das Kalkül dabei: Passendere Slos locken mehr Passagiere in die Maschinen, die in Durchschnitt nur zu etwa 43 Prozent besetzt waren. Gewinne wären erst bei einer Quote über 6C Prozent angefallen, hatte Kimmel ausgerechnet. Bim Start seiner Airline war er da noch etwas optinistischer gewesen und fixierte diesen Break-even-Pinkt bei lediglich 55 Prozent. Zum Vergleich: Lifthansa flog im vergangenen Jahr auf ihrem gsamten Netz zu 66 Prozent ausgelastet.

Mehr Luxus geboten

German Wings, so meinte ihr Mitbegünder Kimmel, brauche keinen so hohen Sitzladefaktor wie der große Konkurrent, weil sein Unternehmen billiger fliegen könne – und das, obwohl es zum selben Preis deutlich mehr Luxus als Lufthansa bot: In der Kabine standen nur 114 Sitze, und die ungeliebten Mittelplätze fehlten. Fün Stewardessen servierten ein Essen auf Porzellngeschirr, während die Staatslinie auf vergleichlaren Maschinen lediglich drei Flugbegleiterinnen einsetzt, die meist nicht mehr als ein Getränk am Snack-Beutel anbieten. Den Personalkostenvorteil erklärte Kimmel so: "Wir kommen mit fünf Mannschaften pro Maschine aus. Sehen Sie ich die Lufthansa an! Die haben sieben Besatzungen mit jeweils zwei Piloten auf einer Maschine – las ergibt sich aus den Tarifverträgen, die vorscheiben, jede Position nicht nur doppelt, sondrn dreifach abzusichern." Gewerkschaften hatten bei German Wings noch nicht Fuß gefaßt.

Obwohl die junge Münchner Fluggesellschft mit gerichtlichen Klagen gegen die Lufthansa erfolgreich war und beispielsweise in einem Verfairen durch zwei Instanzen die überaus wichtige gegenseitige Anerkennung der Flugtickets erreicht", zeugte der angepeilte juristische Kampf um Slot von einer gewissen Verzweiflung. Seit Monatei suchten Peter Kimmel und sein Bruder Christian ebenfalls Miteigentümer und Geschäftsführer, vergeblich nach einem neuen Partner für ihre ausblutende Airline. Am liebsten wäre ihnen eine potente europäische Fluggesellschaft gewesen. Das Stammkapital von 45,25 Millionen Mark, das die Brüder und Verlegererben Franz und Frieder Burda zu 45 Prozent, die Brüder Kimmel zu 40 Prozent und die Bayerische Unternehmensbeteiligungs AG zu 15 Prozent zeichneten, ist verwirtschaftet.