München

Am rechten Rand der Medienlandschaft ist in der letzten Zeit einiges in Bewegung geraten. Das aufwendig angekündigte Theoriemagazin der Republikaner Credo ist nach der ersten Nummer vom Februar dieses Jahres schon wieder eingegangen. Der ehemalige Chefredakteur von Credo, Adrian Preissinger, ist seit April bereits mit einem neuen Produkt auf dem Markt, Nation heißt es.

Die seit 1951 etablierte Monatszeitschrift Nation Europa wurde mit den Deutschen Monatsheften zusammengelegt. Ein neues Blatt aus dem Türmer-Verlag nennt sich Deutsche Geschichte und mittlerweile liegen die ersten vier Ausgaben der Staatsbriefe des ehemaligen We/t-Journalisten Hans-Dietrich Sander vor. Den Durchbruch geschafft hat jetzt die durch Grossisten vertriebene Junge Freiheit. Ein an deres Blatt aus republikanischem Umfeld, Europa vom, will von Juni an bundesweit im Kioskvertrieb sein.

Bei all diesen Druckerzeugnissen handelt es sich nicht um "neonazistische Heftchen, sondern um professionell gemachte Magazine mit seriösem Anstrich. "In einer pluralistischen Gesellschaft definiert sich der Einfluß einer Gruppierung nicht allein und vielleicht nicht einmal zuerst durch ihren sichtbaren Anteil an der politischen Macht", hatte die rechtskonservative Zeitschrift Criticón programmatisch schon 1988 geschrieben. Worauf es ankomme, sei eine vitale Subkultur, beispielsweise Blätter, die Informationen und Lebensgefühl wie durch ein Kapillarsystem sickern ließen.

Credo, das neue Theoriemagazin der Republikaner, hatte mit dem apostolischen Glaubensbekenntnis nichts zu tun. Im Gegenteil, weil die Zeitschrift mit dem Latein im Namen nicht ganz so kreuzbrav war, wie es Franz Schönhuber gefrommt hätte, hat er den aufmüpfigen Blattmacher geschaßt. Bundesvorstand und Bundespräsidium der Republikaner hätten sich "ganz entschieden von Machart und Inhalt des Blattes distanziert", hieß es in einer Mitteilung der Bonner Parteizentrale. Begründet wurde der Beschluß zur Einstellung des Magazins mit dem angeblich zu niedrigen Niveau der Beiträge und vor allem aber sei das Magazin parteischädigend gewesen.

Dieser Vorwurf ist nicht ohne Pikanterie, stand doch im Impressum des "Politischen Magazins für Deutsche" der Schönhuber Intimus, Europaabgeordnete und bayerische Landesvorsitzende Harald Neubauer als Chefredakteur. Herausgeber und Verleger war die RVG Verlags- und Vertriebs GmbH in Landshut, als deren Geschäftsführer wiederum Harald Neubauer und Franz Ludwig Glasauer im Handelsregister eingetragen waren. Glasauer wurde Ende März erstinstanzlich zu einer Geldstrafe von 5000 Mark wegen Volksverhetzung verurteilt. Mit dem inkriminierten Blatt will Neubauer heute gar nichts zu tun gehabt haben. Sein Name sei durch die Nennung als presserechtlich Verantwortlicher mißbraucht worden – ein seltsames Geschick für einen Berufspolitiker.

Adrian Preissinger, 25jähriger Jurastudent, der Credo redaktionell betreute, sieht die Sache ganz anders. Schon der Name des Blattes – der seiner Meinung nach an ein desodorierendes Mittel erinnert – sei eine Schöpfung Neubauers gewesen: "Das muß ihm morgens vor dem Spiegel eingefallen sein." Preissinger kam von der Jungen Union zu den Republikanern, hat die Partei aber mittlerweile aus persönlichen Gründen wieder verlassen.