Die Marineführung kam zu dem Schluß, daß die Kommandanten so manches mißverstanden hatten. Konteradmiral Paul Behnke, stellvertretender Chef des Admiralstabes, schrieb jedenfalls am 28. März 1915 an die Flotte: „Laut Pressenachrichten haben U 28, U 29 und U 37 den Besatzungen mehrerer Dampfer vor dem Vernichten Gelegenheit zum Ausbooten gegeben und die Boote zum Teil nachher noch geschleppt. Abgesehen davon, daß dieses Verfahren mit Rücksicht auf die eigene Sicherheit der Boote recht bedenklich erscheint, sprechen gegen seine Anwendung folgende Gründe:

1. Das Verfahren setzt uns ... in den Augen des Auslandes in einen gewissen Widerspruch mit der Bekanntmachung vom 4. Februar, da sich allmählich die Überzeugung herausbilden wird, daß wir sehr wohl die mit der Vernichtung der Schiffe für die Besatzung verbundenen Gefahren abwenden können, wenn wir dies wollen ...

2. Die abschreckende Wirkung des U-Boot-Krieges leidet...

3. Es ist in hohem Grade erwünscht, daß die U-Boote sich möglichst wenig zeigen, um über die Ursache der Vernichtung der Schiffe Unklarheit zu schaffen und den Glauben an eine umfangreiche Verseuchung des Kriegsgebietes mit Minen möglichst zu erhalten.“

Flottenchef von Pohl bemerkte dazu: „Diese Ausführungen decken sich durchaus mit meiner schon zum Ausdruck gebrachten Ansicht.“ Hermann Bauer, der Führer der Unterseeboote, schärfte den Kommandanten daraufhin ein, die erlassenen Bestimmungen strikt einzuhalten; ansonsten müßte er, „abgesehen von sonstiger Verfolgung der Angelegenheit“, den Umfang der eingereichten Auszeichnungsvorschläge wesentlich einschränken.

Einige Tage später kam die Marineführung im kaiserlichen Hauptquartier einen wichtigen Schritt voran. Dem Kaiser wurde erklärt, die bisherigen U-Boot-Verluste seien auf unvorsichtiges Auftauchen beim Handelskrieg zurückzuführen. Das stimmte nicht; keines der bislang gesunkenen vier Boote war in einer solchen Situation verlorengegangen. Aber die Desinformation erfüllte ihren Zweck. Am 2. April traf ein Telegramm in Wilhelmshaven ein: „Seine Majestät haben mit sehr großem Bedauern von den Verlusten an Unterseebooten erfahren und lassen den U-Boot-Kommandanten dringend größere Vorsicht beim Auftauchen zum Zweck der Untersuchung von Handelsschiffen ans Herz legen ...“ Pohl reagierte sofort: „Ich verbiete das Auftauchen, wenn es nicht offenbar gefahrlos ist.“ Damit war das Vorgehen der Kommandanten erheblich erschwert worden.

Bedenkenloser Kommandant