Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kommt in einer Studie zum Ergebnis, daß die DDR bis zum Jahr 2000 einen Finanzierungsspielraum von 440 Milliarden Mark für die Modernisierung ihrer Infrastruktur hat. Dem liegt jedoch die optimistische Annahme zugrunde, daß in der DDR das Sozialprodukt jährlich um real 7,5 Prozent steigt und daß die Steuern in der DDR so ergiebig sind wie in der Bundesrepublik. So ist es kein Wunder, daß das IW der Bundesregierung von Steuererhöhungen zur DDR-Finanzierung abrät. Das Institut fordert sogar, an der geplanten Senkung der Unternehmensteuern nach der Bundestagswahl festzuhalten.

Ganz anders sieht das der Präsident des Deutschen Städtetages, der Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel. Er hält Steuererhöhungen für unvermeidbar, denn es sei ausgeschlossen, daß die Länder und Gemeinden – wie von der Bundesregierung gewünscht – einen Anteil an der DDR-Finanzierung aufbringen können. Einen Spielraum gebe es nicht, weder durch Ausgabenkürzungen noch durch die Verwendung zusätzlicher Steuereinnahmen. Anderenfalls müßten die Gemeinden den Rotstift in "politisch recht empfindlichen Bereichen" ansetzen: Altenheime, Altenpflegeheime, Kindertagesstätten, Krankenhäuser, Wohnungsbau und Infrastruktur. "Die Bevölkerung geht im übrigen aufgrund zahlreicher zur Beruhigung bestimmter Äußerungen davon aus, daß die Wiedervereinigung für sie keine Einschränkungen mit sich bringt."