MEINE HERREN. ICH BEANTRAGE DIE EINSTELLUNG (Einstellung? Ein Verfahren wird eingestellt, aber doch kein Mensch. Bestallung? Altfränkisch. Klingt außerdem nach Stall. Sicher mit Recht. Rein etymologisch. Aber wieso denke ich „altfränkisch“? Was hat „altfränkisch“ mit dem Altfränkischen zu tun? Man weiß eben zu wenig. Anstellung? Stell dich nicht so an. Also alles verbal lösen? Aber dann klingt es nicht bürokratisch genug. Substantivierung ist der erste Schritt zur Lüge. „Teuerung“ statt „’t ward aalns düürer un düürer.“ Also Einstellung. Da glaubt zwar jeder, jetzt geht es mit „...des Verfahrens“ weiter, aber ich schreib’ es erst mal hin. Kann ja schon froh sein, daß mir „beantragen“ eingefallen ist. Hätte doch beinahe „Ich schlage vor“ geschrieben. Ich beantrage also die Einstellung.) EINES HERVORRAGENDEN (Ganz schön schwach, Alter, aber jetzt ist es sieben Uhr morgens, und um halbsieben Uhr abends macht Safeway dicht, dann kannst du keinen à Hering mehr kaufen und hast nichts zum Anbieten.) MANNES(Mannes; mucho ma-S. cho; aber was soll ichmachen, wenn da person steht? Daß sie einen Mann einstellen werden, ist doch eh klar. Person ist auf deutsch Person, und Person ist weiblich. „Diesse Perssön!“ Aha: Persönlichkeit. Aber im Original steht nicht personality, sondern person. Dieses Menschen? Mensch ist pejorativ, zumindest auf deutsch. Außer wenn man singt. „Hier steht ein Mensch.“ Aber dann ist es ein Türke. Ich beantrage also die Einstellung dieses Menschen. Das heißt: Ich will, daß dieser miese Baldower aus dem Verkehr gezogen wird. Und dann auch noch hervorragend. Eher ein bißchen zu stark. Ich will aber nicht, daß er aus dem Verkehr gezogen wird, sondern ich will das diametral entgegengesetzte, schnur-, pfeil- und dingsbumsgerade Gegenteil, daß wir ihn nämlich haben wollen, jawoll, und wir werden Kohle raustun, aber nicht zu knapp, denn wir? Wir lieben ihn. Wir schätzen ihn. Wir müssen ihn haben, koste es was es wolle, notfalls sogar, wie wir eben ausgeführt zu haben nicht müde geworden sind, Kohle. Sonst hätten wir ja nicht seine Einstellung beantragt. Sonst hätten wir sie möglicherweise lediglich halbherzig vorgeschlagen. Vorgeschlagen! Wenn ich das schon höre. Nein, wir haben sie – inzwischen habe ich mich an die unsägliche Einstellung sogar schon so sehr gewöhnt, daß ich „sie“ sage, als hätte nie etwas anderes zur Debatte gestanden – wir haben sie, die Einstellung, in aller Form beantragt. In aller Form? Trauen wir uns das? Nein. Steht nicht im Original. Ich beantrage. Das Wort sie sollen lassen stahn. Und kein Dank dazu hän. Ich beantrage also, daß wir diesen Quackeskopp bis auf weiteres einstellen, damit er nicht noch mehr Unheil anrichten kann als bisher sowieso schon. Vielleicht nächste Woche wieder. Würde mich u.U. sogar persönlich freuen. Don’t call us, we’ll call you. Verpflichtung? Wurde für eine weitere Spielzeit nach Bad Oeynhausen verpflichtet? Ich beantrage die Verpflichtung eines hervorragenden Mannes. Ich beantrage die Indienststellung eines hervorragenden Mannes? Ich beantrage – jetzt hilft nur noch der „Textor“ – die Einleitung, Vorrede, Ouvertüre, Einsetzung, Ernennung, ich beantrage. Eines hervorragenden Mannes. Ich beantrage, einen hervorragenden Mann in die Pflicht nehmen zu wollen. Ich beantrage, meine Herren, daß, jemand muß es ja tun, und nun nehmen wir diesen; ein hervorragender Mann ist er außerdem. Und wir geben ihm Geld. Das muß auch rüberkommen. Richtig gut ist nur der Anfang: Meine Herren. Und draußen tost das volle, pralle, gefährliche Leben an mir vorbei.) Meine Herren. Ich beantrage die Einstellung eines hervorragenden Mannes, der jene, die ihn kennen, schon immer durch sein bescheidenes und zuvorkommendes Wesen beeindruckt hat. Fünf Seiten in sechs Stunden. Und all das in der schönen Gewißheit, daß man sie wieder umschreiben muß. Meine Herren. Meine Damen. Meine sehr verehrten Personen. Ich beantrage – und wenn Sie morgens noch nicht so fett mögen, schlage ich vor –, daß Sie es sich noch ein paarmal überlegen, bevor Sie Übersetzer werden. Zu dreifuffzich die Stunde. I propose the appointment of a very excellent person who has always impressed those who know him with his modest and gentlemanly bearing. „Bearing?“ fragt der Bär. Er ist aber wieder mal nicht gemeint.