Von Sabine Etzold

Kiel

Das ist, als müsse man einen Tanker umsteuern", hatte der Staatssekretär im Kultusministerium von Schleswig-Holstein, Peter Kreyenberg, gemeint, als er 1988 sein Amt antrat. Es galt, nach beinahe vierzig Jahren CDU-Regierung sozialdemokratische Bildungs- und Kulturpolitik zu etablieren. Ist das komplizierte Wendemanöver jetzt gescheitert? Wurde der Tanker von den unaufhörlichen Proteststürmen so ramponiert, daß er aus dem Verkehr gezogen werden muß? Die "Lotsin" jedenfalls geht jetzt von Bord. Kultusministerin Eva Rühmkorf wird Stellvertreterin von Ministerpräsident Engholm und neue Bundesministerin in Bonn.

Auch unter Bildungspolitikern wird gern geredet und geklatscht, besonders wenn es um Personalentscheidungen geht; aber warum sich Engholm jetzt von einer Kultusministerin verabschiedet, die "sein" Land für ihren Bereich nach außen so überzeugend und erfolgreich vertritt, dafür hat keiner eine rechte Erklärung – auch Eva Rühmkorfs politische Gegner nicht. Gerade erst war sie doch in ihrer Funktion als Vorsitzende der Kultusministerkonferenz entscheidend daran beteiligt, daß der Streit um das DDR-Abitur schließlich so friedlich geschlichtet wurde. "Brillant hat sie das gemacht", meinten manche.

Und landespolitisch? Auch da kann die Ministerin einen ansehnlichen Reformkatalog präsentieren. Er enthält: ein neues Schulgesetz mit der Gesamtschule als Regelschule, das erweiterte Angebot für ein freiwilliges zehntes Schuljahr an Hauptschulen und den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern; außerdem wurde das Hochschulgesetz verabschiedet, die Frauenförderung in Bildung und Kultur vorangebracht und so einiges mehr.

Aber diese stattliche Bilanz nutzt Eva Rühmkorf erstaunlicherweise nicht, um sich nun ein wenig auf ihren Lorbeeren auszuruhen – im Gegenteil. Der Abschied von Kiel, sagt sie, falle ihr gerade jetzt leicht, denn "es ist doch ein gutes Gefühl, vom Hochplateau abzufliegen und nicht aus dem Sumpf zu krabbeln".

Einfach ist ihr der Aufstieg zum Hochplateau nicht gemacht worden. Sie hat so manche Schlammschlacht schlagen müssen und so manche auch verloren. Auf dem Nährboden vierzigjähriger CDU-Tradition entfesselten einige bildungspolitische Themen mitunter eine Kampfkraft, wie sie andernorts schon längst verbraucht war. Die Einrichtung einiger Gesamtschulen beispielsweise brach hier eine Debatte vom Zaun, wie sie Nordrhein-Westfalen in zwanzig Jahren nicht erlebt hat. Und das neue Hochschulgesetz rief einen Professoren-Protest hervor, gegen den sich die erste Diskussion über die Mitbestimmung von Nichtordinarien in Hochschulgremien wie ein beschaulicher Kaffeeklatsch ausnahm. Sonderregelungen bei der Zulassung zum Studium auch ohne Abitur – anderswo längst üblich – wurden zu einer Art Attentat auf kulturelle Basiswerte hochstilisiert.