Das Jahr 1990 – ein Schicksalsjahr für die Republikaner. Also sprach Franz Schönhuber im Januar. Das Schicksal der Ultrarechten nahm schnell seinen Lauf, freilich nicht im steilen Aufstieg, sondern im tiefen Fall. Nach den Wahlschlappen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen hat der Rep-Vorsitzende nun seinen Hut genommen.

Ein Sieg für die Demokratie, wie mancher Politiker frohlockte? Wohl kaum. Die Zeitläufte – der Fall der Mauer, die Selbstbefreiung der "geknechteten Brüder" in der DDR – haben die nationalistische Wunderdroge der Republikaner wie eine Brausetablette aufgelöst. Die sozialen Ängste der Zukurzgekommenen, die nationalen Sehnsüchte der Konservativen, die kulturellen Ressentiments der "Modernisierungsgegner" ließen sich mit tumber Stammtisch-Propaganda nicht mehr in Stimmengewinne ummünzen. Der Rest war Selbstzerfleischung: Schönhubers Mandarine – ein zerstrittener Stoßtrupp aus Ewiggestrigen und nachgeborenen Rechtsradikalen – folgten dem selbstherrlichen Führer nicht länger.

Ein Franz Schönhuber gibt freilich nicht auf: Beim Bundesparteitag Ende Juni will er ins letzte Gefecht ziehen. Womöglich reiben sich die Republikaner dann gegenseitig auf. Das rechtsradikal denkende Potential – gut zehn Prozent der Bundesbürger – wird allerdings eine Herausforderung der Demokratie bleiben. ill