Rückenmarksverletzungen haben bessere Heilungschancen, wenn innerhalb von acht Stunden nach dem Unfall Kortikoide (Hormone der Nebennierenrinde) in relativ hoher Dosierung verabreicht werden. Wie das New England Journal of Mediane Mitte Mai berichtete (Bd. 332/90, S. 1405 und 1459), ergab eine an zehn Unfallzentren der USA erstellte Studie, daß so eine deutlich verbesserte Erholung der Patienten sowohl bei kompletten wie inkompletten motorischen und sensiblen Ausfällen eintritt. Die Ergebnisse schienen den Gutachtern so wichtig, daß bereits vor der Veröffentlichung in der Zeitschrift alle Ärzte an Unfallstationen in den USA vorab informiert wurden. Zwar beugen die Hormongaben, deren positve Wirkung auch durch Tierversuche untermauert ist, Lähmungen nicht vollständig vor. In manchen Fällen werden sie aber so erheblich reduziert, daß die Betroffenen nicht mehr hilflos im Rollstuhl sitzen müssen, sondern sich mit Krücken alleine bewegen können.

Ein Transplantationsgesetz fordert der Interessenverband der Dialysepatienten und Nierentransplantierten Deutschlands. In der Bundesrepublik warten 7000 Dialysepatienten auf eine Spenderniere, jährlich werden jedoch lediglich 2000 Nieren verpflanzt. Ein wesentlicher Grund für die unerträglich langen Wartezeiten liege in der "Rechtsunsicherheit bei Organtransplantationen". Mehr als neunzig Prozent der Menschen würden Organtransplantationen befürworten und bekundeten persönliche Bereitschaft zur Spende. Durch die unklare Rechtslage würden Ärzte und freiwillige Spender jedoch verunsichert. Einen entsprechenden Aufruf für ein Gesetz haben Politiker verschiedener Parteien und mehrere Prominente unterzeichnet.

Radioaktives Material aus Tschernobyl will man nun auch am Südpol festgestellt haben. Geochemiker der University of New Hampshire in Durham haben in Schneeproben aus der Zeit Ende 1987 bis Anfang 1988 einen Anstieg der Radioaktivität um 20 bis 30 Prozent gemessen. Der Zeitabstand von rund 20 Monaten zum Unglück stimmt mit der erwarteten Transportdauer überein. Da die Quelle künstliches Cäsium-137 ist, muß die Strahlung anthropogenen Ursprungs sein. Rätselhaft bleibt allerdings, warum nur am Pol und nicht in der übrigen Südhemisphäre Fallout von Tschernobyl nachweisbar ist. HST

Regenerierte Nerven eines geschädigten Faserbündels können auf einem Mikrochip wachsen und Kontakte mit dessen Elektroden bilden. Einem amerikanischen Forscherteam von der Stanford University ist es gelungen, einen winzigen Chip in das Bein einer Ratte so zu implantieren, daß durch rund tausend Löcher auf dem Chip Nervenfasern wuchsen und elektrische Kontakte bildeten. Immerhin 400 Tage "überlebte" der Chip im Körper der Ratte. Die Wissenschaftler konnten dabei elektrische Signale der Nervenfasern auf dem Chip messen und auch einzelne Nervenleitungen reizen, die zum Fuß der Ratte führten. Ein solcher Chip könnte beispielsweise als Bindeglied zwischen einem amputierten Arm und einer künstlichen Hand dienen. Amerikanische Chirurgen sind jedoch skeptisch, was das "künstliche Nervensystem" betrifft. So muß ihrer Meinung nach zunächst gesichert sein, daß die Nerven dauerhaft an den Mikroelektroden des Chips haften. Zudem bereitet es noch enorme Probleme, eine künstliche Hand zu bauen, die auch nur annähernd die Fähigkeiten einer menschlichen Hand besitzt.

Bei einer Billion Grad lösen sich Atomkerne in eine "Suppe" von Elementarteilchen, in Quarks, auf. Dies errechnete in Jülich einer der leistungsfähigsten Computer der Welt, eine Cray-YMP, in zehntausend Stunden. Eine solche Maschine, die seit 1989 im dortigen Höchstleistungsrechenzentrum steht, bewältigt etwa eine Billion Rechenoperationen pro Sekunde. Die Elementarteilchenphysiker interessieren sich für dieses Ergebnis, weil sie damit die Energie abschätzen können, die notwendig ist, um freie Quarks in einem der riesigen Teilchenbeschleuniger zu beobachten. JR