Salzkotten

Wie und wann genau das Feuer bei der Feuerwehr im westfälischen Salzkotten gelegt wurde, weiß niemand mehr so recht. Geknistert und geschwelt habe es ja schon lange, sagt einer der Feuerwehrmänner. Es mußte nur noch jemand hineinblasen. So geschah es.

Der Mann, der da pustete, war der Ortsvorsitzende der Freien Demokraten, selbstredend gleichfalls Mitglied der Feuerwache. Als ihm vor Jahresfrist ein Prüfbericht des Technischen Überwachungsdienstes Münster in die Hände fiel, worin der Salzkottener Wehr gewaltige Mängel bescheinigt wurden, kam ihm dieser Bericht wie gerufen. Denn in Salzkotten stand gerade Kommunalwahlkampf an, und es galt, seiner Partei, der F.D.P., endlich wieder Einlaß ins Rathaus zu verschaffen. Eine "25jährige Flickschusterei" in der Salzkottener Feuerwehrpolitik, wetterte der freidemokratische Spritzenmann im Wahlkampf, habe zum Niedergang der örtlichen Wehr geführt, mit dem Ergebnis, daß sie nun, wenn’s brennt, statt mit ordentlichem Gerät "mit Schrott" ausrücken müsse.

Der daraufhin in seiner Berufsehre arg gekränkte Stadtbrandmeister suspendierte den Kritiker kurzerhand vom Dienst. Der freidemokratische Brandstifter habe "Unruhe in die Wehr und in die Bevölkerung gebracht", außerdem betreibe er in den Reihen der Wehr politische "Wühlarbeit". Dies schloß der Stadtbrandmeister aus dem Umstand, daß der Kritiker Verbündete gefunden hatte: Der designierte Löschzugführer und der designierte stellvertretende Stadtbrandmeister ergriffen offen Partei für ihn, hatten sie doch sowieso noch nie mit dem Stadtbrandmeister gekonnt.

Nun loderte das Feuer hell, und der Stadtbrandmeister erhitzte sich gegenüber seinen Widersachern so sehr, daß der designierte Löschzugführer und der designierte stellvertretende Stadtbrandmeister die Ämter, für die sie designiert waren, gar nicht erst antraten.

Vergeblich versuchte der Stadtdirektor von Salzkotten – laut Kommunalverfassung für die "Sicherstellung des Brandschutzes" verantwortlich – zu löschen. Es kam zu "Schlichtungsgesprächen", aber das geschliffene Kommunique-Deutsch der jeweils anschließenden Presseerklärungen ("Sachliche Atmosphäre", "ohne Polemik") verriet nur allzu deutlich, wie schwer die Krise in Wahrheit war. Ein tiefer Riß zog sich durch die Salzkottener Wehr: Zur Einweihung der neuen Drehleiter erschienen viele Feuerwehrleute demonstrativ nicht. Der Fraktionsvorsitzende der Christlichen Demokraten im Rat empfand dies als so bedrückend, daß er sich gedrängt fühlte, in einer Sitzung zu diesem Thema den Feuerwehrleuten auf der Zuschauertribüne zuzurufen, doch "die Kameradschaft in den Löschzug wieder einziehen" zu lassen.

Der Stadtbrandmeister, in die Enge getrieben, scharte nun pfiffig die ihm noch wohlgesonnenen Löschzüge in den Ortsteilen um sich und ließ sich mit ihrer Hilfe im Amt bestätigen. Es war ein Triumph: Satte 73 Prozent aller Feuerwehrleute votierten für ihn. Als der Rat der Stadt das Abstimmungsergebnis nicht rasch genug umsetzte und den obersten Feuerschützer nicht sogleich für eine weitere sechsjährige Periode im Amt bestätigen wollte, drohte das Feuer zur Feuersbrunst zu werden: Der Stadtbrandmeister und die Führer der sieben außerstädtischen Löschzüge sagten ihren Rücktritt an. Schon machte sich der Stadtdirektor ernsthaft "Sorge um die Aufrechterhaltung des Feuerschutzes in unserer Stadt".