Frankfurter Allee, Leninallee, Ernst-Thälmann-Park, Prenzlauer Allee, Schönhauser Allee, jede dieser Stationen in Richtung Norden markiert eine der sternförmig angeordneten Ausfallstraßen Ost-Berlins. Westlich der Station Frankfurter Allee beginnt die Karl-Marx-Allee, die sechsspurige Prachtstraße des Ulbrichtschen Betonsozialismus, gebauter Klassenkampf sozuagen, der sozialistisches Selbstbewußtsein demonstrieren sollte. Von der Station Ernst-Thälmann-Park kann man die Greifswalder Chaussee bewundern, die herausgeputzte Protokollstrecke, auf der die alte Führungsriege stadtein und -auswärts rollte.

Auf der Fahrt durch den Prenzlauer Berg Hinterhöfe und nochmals Hinterhöfe. Den Vergleich mit Kreuzberg hat dieser Stadtbezirk verdient: Szenelokale schießen wie Pilze aus dem Boden, und Hausbesetzungen gibt es auch.

An der Bornholmer Straße biegen wir nach Nordosten ab. Ost- und West-S-Bahn nähern sich auf diesem toten Bahnhof bis auf wenige Meter. Hier, an symbolischem Ort, soll möglichst bald "wieder zusammenwachsen, was zusammengehört". Wenn da nicht einige Stolpersteine wären. Wer bezahlt das Verschwenken der Gleise? Und wer überzeugt widerspenstige Anwohner, daß ihr Anspruch auf Ruhe vor der Wiederbelebung stillgelegter Gleise zurückzustehen hat?

Weiter geht’s durch Pankow. Vom Zugfenster aus sieht man den restaurierten Ortskern. Vorbei an Güterbahnhöfen läuft die Stadt hinter Pankow in einem Meer von Schrebergärten aus. Ade Berlin, ein Schwenk nach Westen: Der Außenring hat uns wieder! Wenn man den Dreh verpaßt hat und aus Versehen weiter fährt, warten Schönerlinde, Schönwalde, aber auch Wandlitz und Bernau, der DDR-Kreis mit den meisten Stasi-Bunkern.

Wir landen in Schönfließ, der ersten Station außerhalb Berlins. Die Schönheit dieser Station hält sich in Grenzen, doch ein Feldweg führt direkt am einsamen Wärterhäuschen vorbei zum nahen Wald. In weitem Bogen erreichen wir unmittelbar neben der Mauer Hohen Neudorf, einen idyllischen kleinen Ort in Rufweite von Frohnau, dem nördlichsten Stadtteil West-Berlins. Wer Lust hat, kann von hier einen Waldspaziergang zurück in den Westen machen. Der Weg führt direkt über die tote Trasse der alten S-Bahn von Berlin Stadtmitte nach Oranienburg.

Wir müssen eine Station weiter, nach Birkenwerder. Dort soll es Anschluß nach Potsdam geben. Auch nach einer Stunde ist noch kein Zug in Richtung Potsdam in Sicht. Dem kurz angebundenen Bahnpersonal entringen wir schließlich das Geheimnis des Zweistundentaktes. Der ländliche, bevölkerungsarme Westabschnitt des Rings zwischen Postsdam und Oranienburg ist das verkehrspolitische Stiefkind des Außenringes. Kurz entschlossen nehmen wir den nächstbesten Sputnik. Er verspricht, uns nach Falkenhagen zu bringen, auf halber Strecke nach Potsdam.

Bald schon tauchen über den Waldwipfeln die Schlote der Stahlwerke von Hennigsdorf auf. Wir nähern uns Schönwalde. Hier, in unmittelbarer Nähe des Spandauer Forstes lohnen sich ausgedehnte Spaziergänge durch die hügeligen Waldgebiete. Ebenso wie in Falkenhagen entdeckt man nichts vom Ort. Ein Bahnhöfchen, ein Stoppsignal, das ist alles.

Vom Oberdeck des Sputniks steigen wir hinab in einen Schienenbus. Bei Wustermark nehmen wir Abschied vom Außenring. Vorbei an einem der ältesten deutschen Rangierbahnhöfe geht’s nach Staaken, politische Stadtkante, Endstation.