DIE ZEIT

Gipfelsicht

Mancher hatte vermutet, der sowjetische Staatspräsident werde sein Treffen mit George Bush wegen der Misere im sowjetischen Haus noch in letzter Minute abblasen.

Hoffen und Bangen

Im Februar sackten die Kurse an der Börse in Johannesburg. Grund: Nelson Mandela, der nach 26 Jahren Haft gerade entlassen worden war, hatte in einer Rede den ANC-Standpunkt der fünfziger Jahre vertreten: Verstaatlichung der Minen und Banken.

Blutiges Erbe

Das Revolutionsjahr 1989, in dem sich die Völker Ost- und Mitteleuropas die Freiheit erkämpften, hat ein düsteres Wort hinterlassen: die "chinesische Lösung".

Absturz am rechten Rand

Das Jahr 1990 – ein Schicksalsjahr für die Republikaner. Also sprach Franz Schönhuber im Januar. Das Schicksal der Ultrarechten nahm schnell seinen Lauf, freilich nicht im steilen Aufstieg, sondern im tiefen Fall.

Der falsche Mann zur falschen Zeit

Ein Sturm im Wasserglas? Der SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel täuscht sich. Die westdeutschen Sozialdemokraten stecken in einer tiefen Krise, vergleichbar nur ihrem inneren Würgen vor der Verabschiedung des Godesberger Programms und dem bitteren Streit über die Nachrüstung.

Zeitspiegel

Ganz und gar nicht sauber geht es nach Ansicht einiger orthodoxer Rabbis in manchen israelischen Bars und Hotels zu. Nicht etwa wegen der Speisen, die sind koscher (dafür gibt es eigens Zertifikate).

Worte der Woche

"In seiner Gestalt ähnelt der Kanzler der Bundesrepublik dem König der Wälder, der Eiche, die dem Blitzschlag und dem Wind trotzt, nie ihren stolzen Stamm beugt und vom Sturm nur mit allen Wurzeln herausgerissen werden kann.

Flügellahm zum Gipfel

Der Historiker S. Koroljow nahm kein Blatt vor den Mund. Die Probleme des Landes könnten nicht gelöst werden, so erklärte er jüngst auf einem Abend der "patriotischen Presse", weil die höchste Führung im Kreml nicht einmal mit Nikolaj II, dem letzten Zaren, zu vergleichen sei: "Der Monarch konnte wenigstens die Wörter richtig aussprechen.

Krach bei der DSU: Die Bombe tickt

Ost-Berlin, Ende Mai Gleich in einer doppelten Krise findet sich derzeit die Deutsche Soziale Union (DSU) wieder. Zunächst ließen die enttäuschenden Wahlergebnisse bei der Volkskammerwahl im März (ganze 6,3 Prozent) und bei den anschließenden Kommunalwahlen im Mai (nur noch 3,4 Prozent) die Konservativen um die Zukunft ihrer von der CSU gesponserten Partei bangen.

Einmal ausspannen

Nach lebhaften Verhandlungsrunden haben sich Bush und Gorbatschow in die Einsamkeit von Camp David zurückgezogen. Während Bush zwei Gläser mit Wodka füllt, läßt sich sein Gast mit einem Stoßseufzer in einen Sessel fallen.

Arabischer Gipfel in Bagdad: Neuer Anlauf zur Einigkeit

Zum arabischen Sondergipfel ließ sich das irakische Fernsehen etwas Besonderes einfallen. Wie üblich eröffnete zwar ein Lied zu Ehren von Staatspräsident Saddam Hussein die Abendnachrichten mit der Lobpreisung "Oh Saddam, unser Siegreicher, oh Saddam unser Geliebter; du trägst des Landes Morgendämmerung zwischen deinen Augen.

Labours neues Programm: Godesberg auf britisch

Eigentlich könnte Margaret Thatcher zufrieden sein: Erklärtes Ziel ihrer neoliberalen Revolution war es von Anfang an gewesen, Großbritannien den Sozialismus ein für allemal auszutreiben.

Bonner Bühne: Kein zweites Versailles

Zu den vielbeachteten Einrichtungen dieser Welt gehört die Interparlamentarische Union (IPU) nicht gerade. Sie ist ein Zusammenschluß der Legislativen aus Ost und West, aus der ersten, zweiten und dritten Welt.

Nachlese: Naher Osten: Verwirrende Zeichen

Wenn die Spannungen im Nahen Osten einem neuen Höhepunkt entgegentreiben, wird sich die amerikanische Regierung dem Vorwurf einer gewissen Mitwirkung nicht entziehen können.

Denken an Deutschland: Stichwort: Opferbereitschaft

Für Seelenforscher, Schwerpunkt Massenpsychologie, dürften die Deutschen im Augenblick ein faszinierendes Objekt sein. So viele Brüche in einer kollektiven Gemütslage binnen kurzer Frist lassen sich nur selten beobachten.

Rückblick: Kolumbien: Wahl der Überlebenden

Mit der Angst im Nacken gingen am Wochenende nur etwa die Hälfte der dreizehn Millionen wahlberechtigten Kolumbianer an die schwerbewachten Urnen, um ein neues Staatsoberhaupt zu wählen.

Napalm statt Hirse

Mitten in der Nacht, im Herzen des Hochlandes von Abessinien, stoßen wir zum ersten Mal auf den Treck: Tausende von zerlumpten, ausgemergelten Gestalten, die durch die Finsternis stolpern.

Mengistus Mehrfronten-Krieg

Staatschef Mengistu führt einen Mehrfrontenkrieg im eigenen Land: Im Norden kämpft die Eritreische Volksbefreiungsfront EPLF (Eritrea People’s Liberation Front) für einen selbständigen Staat Eritrea.

Der gehätschelte Diktator

Das Regime in Addis Abeba wird trotz seiner Greueltaten mit Entwicklungskrediten überschüttet

Paragraph 218: Die Handreichung

Die siebzehnjährige Karin B. ist schwanger. Nein, keine Jugendliebe, so eine blödsinnig fetzige Disco-Nacht, ein irrer Typ, und sie hatte gedacht, es wird schon gutgehen.

Kameradschaft: Feuer in der Wehr

Wie und wann genau das Feuer bei der Feuerwehr im westfälischen Salzkotten gelegt wurde, weiß niemand mehr so recht. Geknistert und geschwelt habe es ja schon lange, sagt einer der Feuerwehrmänner.

Frankreich-Studium: Nur zwei

Da hatten Deutschlands Romanisten auf ihrer Jahrestagung im Herbst 1988 eine so gute Idee: An der Freiburger Universität sollte ein Frankreichzentrum entstehen, ein akademischer Überbau über das Drei-Länder-Eck.

Bremer Krankenhaus-Skandal: Unerträglich unfähig

Es hätte eine gute Stunde des Bremer Parlaments, der Bürgerschaft, werden können. Aber die Diskussion der hundert Abgeordneten um den Abschlußbericht des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses St.

Obdachlose: Ordnung per Verordnung

Zwölf Uhr mittags in Bielefeld, high noon vor dem größten Kaufhaus der Stadt. Langsam fährt ein Polizeibulli in die Fußgängerzone, hält vor dem Haupteingang.

Scharf, aber entschärft

Nach langem Tauziehen entscheidet jetzt endlich das Parlament über neue Exportkontrollen

Weniger wäre mehr

Als vor einem Jahr der Bundestag eine Expertenanhörung zum Thema Wirtschaftswachstum und Umweltschutz einberief, sprach sich selbst der Vertreter des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) dafür aus, im Stabilitätsgesetz auch den Umweltschutz zu verankern.

Bonner Kulisse

Die Hartnäckigkeit, mit der sich das Gerücht über eine Abwanderung des Bonner Forschungsministers Heinz Riesenhuber trotz eindeutiger Dementis hält, ist sehr ungewöhnlich.

Bund/Länder: Komplett

Im Streit zwischen Nordrhein-Westfalen und Bonn um die Genehmigung für den Brutreaktor in Kalkar hat das Verfassungsgericht zugunsten des Bundes entschieden.

Werbung: Kosmisch

Die Liebe zur Umwelt läßt sich das Stuttgarter Unternehmen Mercedes-Benz etwas kosten. Auf acht Zeitungsseiten verbreitete der Nobelkonzern in der vergangenen Woche "Mehr Ideen für den Stern, auf dem wir leben".

Bundesbürger: Kauffreudig

Immer mehr Bundesbürger leben über ihre Verhältnisse. Sie fahren zu große Autos, sie gehen in Restaurants, die man früher höchstens auf Geschäftskosten besuchte, und sie leisten sich Urlaubsreisen, die mehrere Monatslöhne verschlingen.

Oben ohne oder unten durch

Immer, wenn Direktionsassistent Dr. Günter P................................................................................

Zeitliches aus Oberammergau: Geschäfte aus Passion

Ob die Oberammergauer ahnen, daß schon mit der ersten Szene in ihrem Passionsspiel auch sie selbst gemeint sein könnten? Gleich zu Beginn des Laienspiels vom Leiden und Sterben Christi verjagt Jesus die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel von Jerusalem.

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