Im Bestreben, Tierschutz in den Köpfen der jungen Generation zu verankern, idealisiert die Autorin vielleicht die früheren Greuel, die auch in scheinbar tierfreundlichen Mythen und Märchen durchschimmern. Aber als Hilfsmittel zur Verurteilung neuzeitlichen Massenmordens mag es legitim sein, wenigstens diese Wurzel herauszuarbeiten: Trivialisierung der Tiere, Trivialisierung ihres Leidens und Sterbens.

Die Autorin wagt sogar die Schilderung von Tierversuchen. Sie verfängt sich nicht in den Fallstricken modischer Umweltgesinnung, die zwar Arten vor dem Untergang retten will, gleichzeitig dem Einzeltier aber das individuelle Lebensrecht bestreiten will: Resultat einer total anthropozentrischen Grundhaltung.

Das "Tierschutz Buch" vermittelt jungen Lesern mehr Stoff für ein globales Umdenken als die meisten deutschen Publikationen, die sich an Erwachsene richten.

Da finden sich Hinweise auf alttestamentarische und christliche Quellen des Übels, auf Descartes, dessen Begriff vom Tier als seelenloser Maschine so gut in das Konzept der Herrschenden paßte, die sich im 16. und 17. Jahrhundert zu ihren Raubzügen der Eroberung und Unterwerfung aufmachten.

Ein besonderer Fund: das Zitat des Amerikaners Sheridan, eines Generals, der die Ausrottung des Bisons mit Orden belohnen wollte, weil sie ihm den Weg zu einem "dauerhaften Frieden" mit den Indianern erleichterte, das heißt: zu ihrer Vernichtung.

Barbara Veit dekuvriert Macht- und Gewinnstreben als nahezu einzige Triebfeder des menschlichen Umgangs mit Tieren. Dieser politische Erkenntnisansatz gibt dem Buch, das mit Photos und bunten Bildern zunächst eher gefällig wirkt, Wert und Bedeutung, die über den konventionellen Tierschutz weit hinausweisen.

Sina Walden