In Liberia, der ältesten Republik Afrikas, ist vor einem halben Jahr der jüngste Bürgerkrieg auf dem Schwarzen Kontinent entflammt. Seinerzeit hatte Staatschef Samuel Doe noch getönt, das Häufchen der rund 150 Rebellen möge "nach Monrovia kommen und sich zum Kampf stellen". Nun stehen angeblich über 5000 Aufständische vor den Toren der Hauptstadt, und der Präsident ist kleinlaut geworden.

In der Stunde höchster Not bat er die Vereinigten Staaten um Hilfe. Allein, der einst so großherzige Geber hat angesichts des wirtschaftlichen Chaos und der politischen Unterdrückung in Liberia längst den Geldhahn zugedreht und will dem bedrängten Machthaber auch militärisch nicht beistehen. Zwar liegen amerikanische Kriegsschiffe vor der Pfefferküste, doch sollen sie lediglich US-Bürger evakuieren.

Rebellenführer Charles Taylor, früher ein enger Mitarbeiter Does, will den Präsidenten, der sich 1980 selbst an die Macht putschte, stürzen und das Land vor dem Ruin bewahren. Liberia leidet unter allen Symptomen der "afrikanischen Krankheit": Ein korrupter Clan beutete das Volk hemmungslos aus und unterdrückte jegliche Opposition. Die unterentwickelte und fehlgesteuerte Landwirtschaft kann die Versorgungsprobleme der Menschen nicht lösen. Der Verfall der Rohstoffpreise trieb das Land in den Bankrott. Schließlich verweigerte der Internationale Währungsfonds weitere Geldspritzen.

Unterdessen begann ein Massenexodus. 300 000 Menschen sind bereits aus dem Kampfgebiet ins Ausland geflohen. Acht Putschversuche hat Samuel Doe in seiner zehnjährigen Amtszeit überstanden. Diesmal aber, so urteilen Landeskenner, sei höchst ungewiß, ob er wiederum seinen Hals aus der Schlinge ziehen und weiterhin sorglos seinen Hobbys – schnellen Autos, hochkarätigen Edelsteinen und teuren Anzügen – frönen kann. -ill