Von Andreas Martin und Torsten Oltmanns

Die Wahl überraschte nicht: Hubertus von Loeper, der in der vergangenen Woche frisch gekürte neue Vorsitzende des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) und zugleich Geschäftsführer der Janssen GmbH in Neuss, gilt schließlich als Hoffnungsträger der Branche. Seine Marschroute lautet denn auch: "Wir müssen in Zukunft Politik machen, aktiv vorgehen, kämpfen."

Solche Fähigkeiten wird von Loeper selbst bitter nötig haben: Der Verband steht nämlich vor einer Zerreißprobe. Die kleinen und mittleren Unternehmen fürchten um ihre Existenz; im Mittelstand formiert sich Widerstand gegen eine Verbandspolitik, die allein den Großen der Branche nützt.

Um ihre Interessen offensiver zu vertreten, haben fünfzig Unternehmen bereits Anfang Mai in Bonn den Arbeitskreis Mittelständischer Pharmaunternehmen (AMP) gegründet. Der AMP soll, so die Initiatoren, "die Arbeit des BPI unterstützen". Doch leicht könnte daraus eine Konkurrenz-Organisation erwachsen.

Allein die Gründung eines solchen Arbeitskreises kommt einer Palastrevolution gleich. Bisher galt als ungeschriebenes Gesetz, daß die Mittelständler die Verbandspolitik den Großen überlassen. Und das, obwohl von den 465 BPI-Mitgliedern rund 400 zu den kleinen und mittleren Firmen zählen, deren Umsatz unter 150 Millionen Mark liegt.

Zwar rotierte der Vorsitz unter Vertretern der kleinen, mittleren und großen Unternehmen. Aber die Verwaltung der Spitzenorganisation ist mit Repräsentanten der Großkonzerne durchsetzt. Und stets galt die Devise: "Was gut ist für Hoechst, ist auch gut für den Rest", wie Klaus Gräbener von Schwarz Pharma in Monheim bestätigt.

Solange das Geschäft mit den Pillen, Salben und Tinkturen florierte, ging es Großen wie Kleinen gut, und der Verband hatte leichtes Spiel. So forderten Mitte der achtziger Jahre die Branchen-Riesen längeren Schutz für ihre Patente. Immer häufiger kam es nämlich vor, daß kleine Pharma-Firmen erfolgreiche Medikamente nach Ablauf der Patentzeit kopierten und dann preiswert verkauften – als Generika. Sowohl Original- als auch Generika-Hersteller sind im BPI organisiert. Der Verband aber schlug sich auf die Seite der großen forschenden Unternehmen; zum Streit kam es trotzdem nicht. Dietrich Weichsel, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Generika (IGG), beschwört statt dessen Vereins-Harmonie: "Wir sitzen doch alle in einem Boot." Die Gegner der Arznei-Hersteller seien schließlich die Krankenkassen.