Das Wörtchen "unerträglich" gehört offenkundig zu den liebsten Formulierungen des Bundeskanzlers. Im U-Boot-Untersuchungsausschuß, vor dem Helmut Kohl letzte Woche auftrat, fand er mindestens ein Dutzend Mal die Gelegenheit, "unerträglich" zu sagen. Mal fand Kohl die Fragen von Norbert Gansel (SPD) "unerträglich", mal solche der Grünen-Abgeordneten Uschi Eid und Angelika Beer.

"Unerträglich" findet er besonders die Angriffe gegen seinen engsten Mitarbeiter Horst Teltschik, der U-Boot-Akten, darunter auch einen, zwei oder mehr Strauß-Briefe, vernichtet hatte und damit in den Verdacht des Verwahrbruches geriet. Die Vernichtungs-Aktion nahm Kohl jedoch auf die eigene Kappe. Zwar habe er damals keine konkrete Anweisung dazu gegeben, gleichwohl hätten seine Mitarbeiter davon ausgehen können, daß er, der Kanzler, das so wolle und gewollt habe: "Mein Wille ist auch meine Anweisung." Das haben laut Kohl auch alle seine Vorgänger so gesehen. So habe er, Kohl, vergeblich nach Unterlagen über Waffenlieferungen gesucht, die Helmut Schmidt dem saudischen König versprochen habe. Nach Kohls Minenspiel zu urteilen, war ihm auch das "unerträglich".

Unerträglich – zumindest für Zuhörer – waren aber auch Kohls Erinnerungslücken über die Vorgänge um die U-Boote in Südafrika. Kohl konnte sich nicht erinnern, ob er einen U-Boot-Brief von Strauß gelesen hatte oder mit ihm auf einem bestimmten Spaziergang besprochen hatte. Als ihn die Abgeordnete Eid dann aber nach dem Spaziergangs-Essen – Nudelsuppe und Kaiserschmarren – fragte, fiel dem Kanzler sofort wieder ein: "Daran erinnere ich mich noch sehr gut." Kulinarisches hat für den Kanzler Kohl einen ganz anderen Stellenwert als irgendwelche U-Boot-Lieferungen an irgendwelche Staaten.

Erst waren auch die Regie-

rungsparteien ganz angetan von der Idee, den Bundesrechnungshof in den Rüstungsfirmen nachprüfen zu lassen, ob deren Rechnungen für Rüstungslieferungen korrekt sind (siehe auch Seite 26). Als es im Haushaltsausschuß jetzt zum Schwur kam, beugte sich die Koalition dem Argument der Regierung, für derartige Prüfungen fehle die rechtliche Grundlage. Die rechtliche Grundlage zu schaffen, wie die SPD es forderte, lehnten CDU/CSU und FDP ab. Blamiert ist run der ehemalige CDU-Abgeordnete Bernhard Friedmann. Der nämlich ist Erfinder der vorgeschlagenen Prüfung. Friedmann ist inzwischen wohlbestallter Präsident des Europäischen Rechnungshofes, wo er der Rüstungsindustrie keinen Schaden mehr zufügen kann.

Nach der Dreiteilung der Deutschen Bundespost und der Einführung privatwirtschaftlicher Unternehmensführung in den drei Betrieben hätte man erwarten können, daß die Post Abschied Ton alten Zöpfen nimmt. Mitnichten. Post- und Telekom-Minister Christian Schwarz-Scnilling schaffte die alten Uniformen der Postler nur ab, um sie durch neue, modernere zu ersetzen. Bis Ende des Jahres müssen die Postler sich umgezogen haben und für die neuen Kleider auch noch selbst in die Tasche greifen.

Die neue Postkluft kostet in der Erstausstattung knapp 1100 Mark; Schwarz-Schilling schießt 724 Mark zu. Der uniformierte Postler selbst muß 362 Mark zahlen, "zu viel", wie der SPD-Abgeordnete Manfred Opel in der Fragestunde des Bundestages befand. Zu viel zumindest für die kleinen Beamten mit niedrigem Einkommen und zugleich hohem Uniform-Verschleiß. Beispiel: Der Briefträger, der ja auch häufig noch von allerlei Fiffis gebissen wird. Staatssekretär Frerich Görts versprach Opel aber, die Post werde prüfen, ob solche Postler nicht einen höheren Zuschuß bekommen könnten.