Von Hans Schueler

DIE ZEIT: Herr Boeden, Sie haben unlängst erklärt, der Verfassungsschutz befinde sich angesichts der elementaren politischen Veränderungen in der DDR und in anderen osteuropäischen Ländern in einer Phase, in der grundlegend neu über seine Aufgaben, seine gesetzliche, organisatorische und personelle Ausstattung nachgedacht werden müsse. Wird denn schon nachgedacht?

GERHARD BOEDEN: Natürlich müssen wir uns veränderten Bedingungen anpassen. Wir haben daher zum Beispiel im Rahmen unseres gesetzlichen Auftrages schon lange vor dem Fall der Mauer die Beobachtung der linksextremistischen Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) zurückgefahren, als wir merkten, daß sie Auflösungserscheinungen zeigte.

Es gab Auflösungserscheinungen schon vor dem Oktober vorigen Jahres?

BOEDEN: Ja. Es gab heftige Auseinandersetzungen zwischen den sogenannten Erneuerern und den Traditionalisten, in deren Folge der Mitgliederbestand erheblich reduziert wurde. Wir haben daher in angemessenem Maße unsere Mittel zurückgefahren und auch Personal abgezogen.

Gehen Sie davon aus, daß die DKP nach der Wiedervereinigung zu einer "quantité négligeable" wird?

BOEDEN: Was mit der DKP wird, vor allem, wie sie künftig mit der PDS zusammenarbeiten wird, scheint mir noch unentschieden zu sein.