Von Manfred Timmermann

Vergangene Woche plädierte der Autor für mehr Wettbewerb unter den Rüstungsherstellern. Im zweiten Teil seines Beitrags skizziert er ein Konzept zur Bekämpfung bürokratischer Auswüchse in der Verteidigungswirtschaft.

Die Anbieterstruktur der deutschen Rüstungsindustrie ist durch zwei Gruppen gekennzeichnet; eine Gruppe umfaßt einige wenige Generalunternehmen und Systemführer wie die Dasa (Deutsche Aerospace AG einschließlich MBB), Diehl, Rheinmetall, Thyssen (Thyssen Henschel, Blohm & Voss, Thyssen Nordseewerke), Siemens und Krupp (Krupp MaK, Krupp Atlas Elektronik); die zweite Gruppe besteht aus einer großen Zahl mittelständischer Lieferanten, die entweder Zulieferer für die Systemführer oder direkte Lieferanten für einfaches Gerät sind. Die Konzentrationswelle hat die Gruppe der Generalunternehmer und die Übernahmewelle hat die Gruppe der mittelständischen Unternehmen inzwischen erfaßt.

Die Konzentration der Rüstungsindustrie in der Daimler-Benz-Holding, in der Diehl-Gruppe oder in der sich abzeichnenden norddeutschen Gruppierung verringert eindeutig den noch verbliebenen, ohnehin schon geringen Wettbewerb auf dem nationalen Rüstungsmarkt. Diese Feststellung spricht nicht von vornherein gegen die Genehmigung der Fusion von Daimler und MBB. Das Argument, die deutsche und europäische Luft- und Raumfahrtindustrie könne nur in einem Großkonzern wettbewerbsfähig bleiben, hat Gewicht.

Aber: Der Wettbewerb auf dem nationalen Rüstungsmarkt wurde merklich eingeschränkt, und auf dem Nato-Rüstungsmarkt konnte durch die Fusion auch keine Wettbewerbsposition verbessert werden, da kein wesentlicher Wettbewerb auf diesem Markt existiert. Dank des Hochtechnologie-Unternehmens Dasa ist jedoch das deutsche Potential für technisch anspruchsvolle Rüstungs-Kooperationen gestiegen. Die Dasa wird ein finanziell, technologisch und managementmäßig schlagkräftiger internationaler Kooperationspartner werden. Wettbewerbserfolge wie die oben geschilderten wird es aber nicht mehr geben. Die bisher noch wirksame und fruchtbare Konkurrenz auf dem nationalen Rüstungsmarkt zwischen AEG und MBB, AEG und Dornier sowie MBB und Dornier ist ersatzlos entfallen.

Für den Mittelstand ist die Konzentrations- und Übernahmewelle mit Gefahren verbunden. In großen Bereichen bleibt als einziger Generalunternehmer in der Bundesrepublik die Dasa. Damit wird der sogenannte Generalunternehmer-Erlaß des Wirtschaftsministeriums vollends obsolet. Aufgrund dieses Erlasses wird derjenige Generalunternehmer bevorzugt, der den höheren Anteil an Aufträgen an den konzernunabhängigen Mittelstand zu vergeben verspricht. Trotz aller gegenteiligen Versicherungen wird indes ein Generalunternehmer und Systemführer zuerst seine eigenen Kapazitäten im Konzern auslasten, bevor er einen Unterauftrag an ein konzernfremdes mittelständisches Unternehmen vergibt. Mit Vorschriften des Auftraggebers, also des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung, bezüglich einer bestimmten Quote, die vom Gesamtauftrag an den Mittelstand weiterzugeben sei, ist es nicht getan.

Der Generalunternehmer hat immer Ausreden, um die Quote nicht einzuhalten und die Aufträge im eigenen Konzern unterzubringen. Die Ausreden: Der mittelständische Zulieferer könne die Qualitätsanforderungen nicht erfüllen oder die Termine nicht einhalten; er käme mit den kalkulierten Kosten nicht hin; der Generalunternehmer könne die Verantwortung für den Gesamtauftrag nur übernehmen, wenn er im eigenen Konzern Qualität, Termine und Kostenansätze gewährleiste. Wie der Mittelstandsbeauftragte beim Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung dieser Argumentation begegnen soll, bleibt unklar.