Der Alpentourismus boomt – nach Überzeugung der Umweltschützer längst schon jenseits der Schmerzgrenze. In Bonn schlug der BUND wieder einmal Alarm.

Es fehle nicht mehr viel, und das meistbesuchte Gebirge der Welt habe seine Zukunft bereits hinter sich. So lautet, kurz gefaßt, die Quintessenz des gut 25seitigen Programms zur Rettung der Alpen, mit dem der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) jetzt in Bonn vorstellig wurde. Dazu meinten BUND-Vorsitzender Hubert Weinzierl und Alpenexperte Dieter Popp, die starken Verkehrsströme und der Massentourismus würden "die Alpen innerhalb weniger Jahrzehnte in eine unbewohnbare Steinwüste" verwandeln.

Für das apokalyptische Szenario führten die Umweltschützer einleuchtende Indizien an: Hundert Millionen Besucher muß die Alpenregion in der rund sieben Millionen Einwohner leben, jährlich aushalten. Vierzig Millionen kommen als Feriengäste, weitere sechzig Millionen als Tages- und Wochenendausflügler, die meisten davon als Skiläufer.

Der Skisport steht – neben dem Autoanreise- und Transitverkehr mit seinen Stickoxid-Emissionen – in der Sünderkartei ganz vorne. Sofort gestoppt werden müßten nicht nur die Erschließung neuer Skipisten, sondern auch der Kapazitätsausbau bestehender Lift- und Seilbahnanlagen, desgleichen der Einsatz von Skikanonen.

Siebzig Prozent der Alpenbevölkerung leben vom Tourismus. Da die alpenländische Landschaft aber auch von Bauern geprägt sei, sollten Hotellerie und Gastronomie die benötigten landwirtschaftlichen Waren bevorzugt bei den örtlichen Kleinbauern einkaufen, so der BUND. Bisher jedoch habe der massenhafte Reiseverkehr nur viel Landschaft verbraucht und dazu geführt, "daß immer weniger Bergbauern zur Erhaltung dieser Landschaft bereit sind, weil es lukrativere Einkommensquellen gibt".

Angeprangert wurden auch der starke Trend zu Ferien- und Zweitwohnungen im Alpenraum, und selbst die alpinen Berghütten, so hieß es, würden "nicht unerhebliche umweltpolitische Probleme aufwerfen". Das Resümee: Unterm Gipfelkreuz werden die Sitzplätze knapp. Wolfgang Weber