– ein Kaiser lobesam?

Von Horst Fuhrmann Vor 800 Jahren

Am 10. Juni 1190 ertrank im südanatolischen Flusse Saleph (in der Antike Kalykadnos, heute Göksu) nördlich Silifke bei einem Versuch, den Weg, den das schwerfällige Kreuzfahrerheer nahm, durch Benützung einer wenig erkundeten Furt abzukürzen, der deutsche König und römische Kaiser Friedrich I., dem die Italiener wegen seines rotblonden Haupthaares und Bartes den Beinamen "Barbarossa" gegeben haben. Der Kreuzzug – die Konvention zählt ihn als dritten – hatte sich gut angelassen; auch die Könige von Frankreich und von England, Philipp II. August und Richard Löwenherz, hatten das Kreuz genommen, galt es doch, das 1187 von Sultan Saladin eroberte Jerusalem, das rund neunzig Jahre in christlicher Hand gewesen war, zurückzugewinnen. Es sollte nie mehr den Christen gehören.

Der Kaiser, weltlicher Führer der abendländischen Christenheit, war angesichts der verzweifelten Lage im Heiligen Land gefordert, und Friedrich hat sich dieser Pflicht gestellt; ein englischer Chronist, der diesen Kreuzzug beschrieb, pries Friedrich als einen "großartigen Kaiser", als den "größten der Menschen". Im Mai 1189 war das deutsche Heer – etwa 12 000 bis 15 000 Mann, davon 3000 Ritter – von Regensburg aus aufgebrochen, hatte die Gebiete des feindseligen griechischen Kaisers durchquert, wobei man das widerspenstige Adrianopel kurzerhand eroberte und plünderte, und bewegte sich auf der gleichen Route durch Kleinasien, die einst der legendäre Gottfried von Bouillon auf dem Ersten Kreuzzug 1097 genommen hatte, dem überhaupt einzigen erfolgreichen Kreuzzug der westlichen Christenheit ins Heilige Land.

Die Türken waren von der Schlagkraft des deutschen Heeres unter Barbarossas Führung beeindruckt; sie hatten die Grenzfesten geräumt und den Fall Iconiums (Konya) hingenommen, als das Unternehmen durch den Tod Friedrichs stockte und schließlich kläglich zusammenbrach. "Hätte Allah nicht die Gnade gehabt, den Mohammedanern seine Güte dadurch zu zeigen, daß er den König der Deutschen in dem Augenblick zugrunde gehen ließ, als er im Begriffe stand, in Syrien einzudringen, schriebe man heute: Syrien und Ägypten haben einst dem Islam gehört", so der zeitgenössische arabische Schriftsteller Abu et-Athïr. Im Westen, zumal in Deutschland, herrschte Trauer, und der Autor der Kölner Königschronik hält inne: "Bei dieser Stelle und bei diesem Bericht versagt unser Griffel und verstummt unsere Rede."

Etwa 68 Jahre ist Friedrich alt geworden, so alt wie kein deutscher König vor ihm, und als einziger deutscher Herrscher des Früh- und Hochmittelalters hat er den Tod auf einem Feldzug gefunden; alle anderen waren den "Strohtod" gestorben. 38 Jahre hat er regiert (1152-1190), länger als die meisten seiner Vorgänger. Sein Bild hat sich in Sage und Erinnerung der Deutschen tief eingeprägt.

Kaum eine andere Ballade ist in deutschen Lesebüchern bis zum Zweiten Weltkrieg häufiger abgedruckt gewesen als Ludwig Uhlands 1814 entstandene "Schwäbische Kunde", deren vorgegebene Handlung in eben diesem unglücklichen Dritten Kreuzzug spielt: "Als Kaiser Rotbart lobesam / Zum Heil’gen Land gezogen kam, / Da mußt’ er mit dem frommen Heer / Durch ein Gebirge wüst und leer." Das Gedicht, das nichts von der Tragik des wirklichen Geschehens erkennen läßt, ist von jener Herz und Gemüt anrührenden heiteren Trivialität, die Heine genußvoll verhöhnte: Der "Herr Uhland" sei gänzlich unoriginell, biete jedoch "eine Menge Vortrefflichkeiten, die ebenso herrlich wie selten sind. Er ist der Stolz des glücklichen Schwabenlandes, und alle Genossen deutscher Zunge erfreuen sich des edlen Sängergemütes."