Weil ich früher mal Werbefiffi gewesen bin, war ich neulich auf ein Fest eingeladen. Wolf Rogosky, der Leiter von GGK Europa, wurde 50. GGK heißt Gerstner, Gredinger & Kutter. Robert Gernhardt sagt, das hört sich an wie ausgestorbene Berufe: der Gerstner, der Gredinger und der Kutter. "Der Gerstner, der Gredinger und der Kutter .. .", sagte ich sinnend vor mich hin, und Robert vollendete den Satz: "... die saßen all’ beisamm’ und schimpften auf den Luther, der niemals pünktlich kam." Da hat der Luther ganz schon selbst schuld, denn es war ein total tolles Fest. "Luther, Luther", sagte Robert, "wenn ich das schon höre. Außer Thesen nix gewesen." Das Fest fand in Maisons-Laffitte statt, wohin man, wenn man weiß, wie’s gemacht wird, ganz leicht von Paris aus mit der S-Bahn kommt. "Was soll ich in der City", frug Robert. "Ich bleibe in Laffitti." Es gab Austern und Couscous und außer gefilte fish so ziemlich alles, was köstlich ist, und einen Senegalesen mit einer Zauberlaute und eine Country-&-Western-Kapelle und ein Indio-Duo (Indio-Duo ist ein schönes Wort; eigentlich träume ich ja davon, einmal im Leben Lucky-Luke-Look-Alike hinschreiben zu dürfen, aber ich finde nie den richtigen Schlenker), und die Sonne schien, und soweit das Auge reichte, staksten 2,30 m große schwedische Models mit ganz kleinen Hunden durch die Gegend. "Genauso", dachte ich, "wurde ich, wenn ich es hatte, mein Geld auch ausgeben." Das Geburtstagskind bekam einen Trabi geschenkt und eine Harley-Davidson, mit der fahrt es jetzt um den Trabi herum. Die Harley wurde von einer blonden Stuntlady in schwarzem Leder angeliefert, die schon fünfmal die Rallye Paris-Dakar gewonnen hat. "Lieber Sydne Rome", sagte ich, "als Paris-Dakar." Den Spruch habe sie durchaus schon das eine oder andere Mal gehört, sagte die Stuntlady. Um mich zu trösten, habe ich ganz schnell gegen Paul Gredinger, das 2. G von GGK, im Armdrücken verloren, woraufhin ich, wieder um mich zu trösten, von Claudine zum Tanzen aufgefordert wurde. Ich freute mich auch sehr, weil Claudine so klein ist, daß ich dachte, ich kann sie prima an die Wand schmeißen, und außerdem hat sie die richtige Hautfarbe, mithin den Rhythmus im Blut, aber Claudine tanzt leider wie eine Debütantin von der Elbchaussee. Und an die Wand geschmissen hat sie mich. Es war also alles sehr erfreulich, und Jake, der Frontman der Country-&-Western-Kapelle, sagte zu mir: "Du paßt auf den Teil der Party auf und ich auf diesen." Mit imaginären Walkie-Talkies hielten wir einander über den Fortgang der Fête auf dem laufenden. "Hier alles ruhig. Over." – "I’m readin’ you loud and clear. Ten-Four. Over and out." Jake bat mich, ein verdächtiges Subjekt in Zone 7 zu observieren, aber da es sich bei der Zielperson um Klaus Imbeck von Geo handelte, war mir der Auftrag zu riskant. Etwa 80 Prozent der Feiernden waren Werber. Die Normalos begrüßten einander mit den Worten "Na, was machst du denn gerade?" Die Werber sagten: "Na, wo bist du denn gerade?" Und weil ich früher auch mal Schüler gewesen bin, war ich neulich auf einem Klassentreffen. 80 Prozent der Anwesenden waren Lehrer geworden. Die Normalos begrüßten einander mit den Worten "Na, was machst du denn gerade?" Die Lehrer sagten: "Na, wo bist du denn gerade?" Ob diese Koinzidenz etwas zu bedeuten hat, und wenn ja, was, das wage ich nicht zu beurteilen. Ich kam mir jedenfalls vor wie der Hai im Hechtteich, ich, der Macher, im Gegensatz zu den nur Seienden. Das hielt aber nicht lange vor. Denn am nächsten Tag, beim 801. Hamburger Hafengeburtstag, fuhr ich in einem Amüsiermobil, und der Einpeitscher kommentierte: "Der Herr in Gondel 6 gurgelt bereits mit dem Kartoffelsalat; jaja, hier geht es ab, hier steppt der Bär, hier boxt der Papst im Kettenhemd."