Frauen aus Ost und West streiten mit den Strategen im Nato-Hauptquartier

Von Susanne Mayer

Der Botschafter Ihrer Majestat der Königin Beatrix ist ein Mann, dessen Charme sich eine Frau nicht gerne ohne Grund entzieht Ein zierlicher Mann, das schwarze Haar im Nacken leicht gewellt, die Augen dunkel, intensiv Er, der den Namen Adriaan R R Jacobovits de Szeged tragt und über das Profil eines jungen Falken verfügt, beugt sich vor und laßt die dunklen und intensiven Augen auf den Damen ruhen "Ich freue mich", sagt der Botschafter, "Sie hier im Nato-Hauptquartier in Brüssel begrüßen zu dürfen " Er lächelt "Es ist auch für mich sehr interessant – ganz ehrlich, sehr interessant", unterbricht er, "Ihre Interessen kennenzulernen und zu diskutieren " Die Stille ist erwartungsvoll "Dann erklaren Sie uns doch bitte", sagt Adrienne van Melle-Hermans, "welche Grunde noch für die Existenz der Nato sprechen "

Der Botschafter lacht auf Lehnt sich zuruck Greift zum Schlips Schuttelt den Kopf "welche Grunde noch für die Nato sprechen ", murmelt er und bedeckt für einen Moment die Augen mit der linken Hand Eine schmale, manikürte Hand Acht Augenpaare schauen ihn über den leeren Tisch hinweg aufmerksam an

Adrienne van Melle-Hermans ist gegenüber dem gewinnenden Wesen eines Adriaan R R Jacobovits offensichtlich immun Eine fullige Frau, die auf den ersten Blick seine Mutter sein konnte Wuschelkopf, Doppelkinn, Stahlbrille Sie ist Theologin aus Amsterdam und Leiterin der holländischen Gruppe von "Frauen für den Frieden"

Ermüdende Aktionen

Adrienne van Melle-Hermans Mann ist ebenfalls Theologe und sitzt zur Zeit im Gefängnis, weil er mit Hilfe einiger Freunde und schwerem Werkzeug in den Niederlanden gelagerte Raketen eingebeult hat – "eine ganz dumme Aktion", sagt seine Frau gelassen Sie vertraut auf die Kraft des Wortes, auch wenn das manchmal zu sehr ermüdenden Aktionen fuhrt Monatelang hat sie beispielsweise versucht, den holländischen Verteidigungsminister zu einem Gesprach über die Zukunft der Nato mit Frauen aus Landern des Warschauer Paktes und der westlichen Allianz zu bewegen Vergeblich Wenige Tage vor dem anvisierten Termin Ende Mai erhielt sie ein Schreiben aus dem Ministerium "Zeer geachte mevrouw", stand darüber, und darunter wurde von der Bedeutung des angesprochenen Themas gesprochen Gerade dieses Thema eben nehme so viel Zeit in Anspruch "Deshalb verstehen Sie bitte, daß ich keine Gelegenheit haben werde, mit Ihnen in einen Meinungsaustausch zu treten Met de meeste hoogachting – Minister von Defensie A L ter Beek " Für Adrienne van Melle Hermans ist Botschafter Jacobovits nur zweite Wahl Der Botschafter tut sein Bestes Siebzehn Jahre Erfahrung im Auswärtigen Dienst haben wieder Besitz von ihm ergriffen "Unsere Hauptsorge ist die Sicherheit", sagt er mit verbindlicher Freundlichkeit "Das System, das wir gegenwartig mit der Nato haben, ist die beste Garantie für diese Sicherheit" Nachdrücklich "Selbst wenn die UdSSR zu weiterer Abrüstung bereit sein wurde, selbst dann wurden wir unser Sicherheitssystem beibehalten" Vor ihm gesenkte Kopfe Die Frauen schreiben mit Ein wenig spater, nach dem Ende des Gesprächs, werden sie ihre Notizen vergleichen und auswerten