Ein Radio-Anbieter wehrt sich gegen den Lizenzentzug

Heidelberg

Wenn Konkurrenten ihn den "Berlusconi von Bensheim" nennen, schwingt viel Spott mit, aber auch eine Portion Bewunderung. Denn Klaus-Jürgen Hoffie, 53, ist in der Privatfunk-Branche so etwas wie ein weißer Rabe: Während anderswo fast ausnahmslos Großverlage und Medienkonzerne das Geschäft mit dem kommerziellen Hörfunk machen, hat es der gelernte Nachrichtenredakteur Hoffie geschafft, in Südwestdeutschland ein kleines Funk-Reich aufzubauen.

An drei reichweitenstarken Privatradios in Heidelberg, Karlsruhe und Ludwigshafen ist Hoffie beteiligt, außerdem betreibt er eine Werbeagentur. Bei den Hoffie-Sendern beschränken sich die Einnahmen nicht auf bezahlte Werbespots: Wo immer es geht, läßt Hoffie von zahlungskräftigen Sponsoren gestalten. Die Pharmaindustrie bezahlte ihm eine Gesundheitssendung, Nestlé ließ sich über Tischkultur verbreiten. Wie so etwas geht, hat Hoffie in seiner Zeit als PR-Mann bei der Lufthansa gelernt. Geholfen haben dem Privatfunk-Unternehmer auch die Kontakte aus seiner Zeit als FDP-Politiker. Anfang der achtziger Jahre saß Hoffie für die Liberalen im Bundestag, ein Jahr lang war er Wirtschaftsminister in Hessen.

Hoffie gilt als harter Kostenrechner, der seine Beteiligungen mit rigiden Methoden in die schwarzen Zahlen gebracht hat. Seine Sendungen gestaltet er mit möglichst wenigen festangestellten Mitarbeitern. Bei seinen drei Beteiligungen führt er nicht nur die Geschäfte, sondern holt gelegentlich auch selbst Werbeaufträge herein. Darüber hinaus moderiert er hin und wieder Gesprächsrunden und verliest, wenn Not am Mann ist, auch mal die Nachrichten.

Noch auf Sendung

In diesen Tagen muß der umtriebige Junggeselle mehr tun, als ihm lieb ist. Bei Pro Radio 4, das dreieinhalb Stunden täglich in ganz Rheinland-Pfalz und den angrenzenden Bundesländern zu hören ist, fehlen seit dem 1. Juni eine Reihe von Mitarbeitern. Sie moderieren bei anderen Sendern oder verkaufen Werbespots für die Konkurrenz. Aus einem einfachen Grund: Eigentlich sollte Pro Radio 4 seit Anfang Juni gar nicht mehr senden. Nur einem laufenden Gerichtsverfahren verdankt Hoffie, daß er noch auf Sendung ist.