DIE ZEIT

Jägerlatein

Halali! Die 1,4 Millionen Sonntagsjäger Italiens dürfen auch künftig, wenn sie nur eine Flinte und ihren Stempel im Ausweis haben, sechs Monate lang fremde Grundstücke betreten und überall auf alles ballern, was sich in den Lüften, auf Wiesen und Wegen, hinter Sträuchern und Hütten regt (außer auf Spaziergänger und Liebespaare).

Der kleine Gipfel

Für Südkorea war es der größte außenpolitische Triumph seit der Vergabe der Olympischen Spiele an die Hauptstadt Seoul. Präsident Roh Tae Woo übertrieb nicht, als er sein Treffen mit Michail Gorbatschow in San Francisco ein "Ereignis von historischer Bedeutung" nannte.

Welche Antwort auf die deutsche Frage?

Seit einem halben Jahr ist aus dem Kreml zur Deutschlandpolitik nur Widersprüchliches, Schwammiges und Halbgares zu hören. Neutralität des Vereinigten Deutschland, Doppelmitgliedschaft in Nato und Warschauer Pakt zugleich, sonstige Denkbarkeiten, darunter so weit hergeholte wie die eines Beitritts der Sowjetunion zum Nordatlantikpakt – die Kremlführung lehnt weiterhin die Nato-Zugehörigkeit ganz Deutschlands ab, will oder kann sich aber auf ein anderes Arrangement noch nicht festlegen.

Ohne Symbol

Die hastige Demontage des Symbols geriet selbst zum sinnbildlichen Akt: Nach konfusem Gezänk beschloß nun die Volkskammer, das Staatswappen der DDR von allen öffentlichen Gebäuden zu entfernen oder zumindest notdürftig zu verhängen.

Schlechter Handel

Die Kunst, mit der einen Hand zu geben und mit der anderen zu nehmen, ist in der Politik hochentwickelt, auch wenn sie sich zumeist selber ad absurdum führt.

Zeitspiegel

In Europa war der Lambada, ein brasilianischer Modetanz, der Sommerhit des vergangenen Jahres. Bei der katholischen Kirche in einigen sittenstrengen lateinamerikanischen Ländern stößt die erotische Parkettgymnastik dagegen auf erbitterte Gegenwehr.

"Man fühlt sich überrollt . . ."

Sie hatte immer zu den Besten gehört. Jana, die achtzehnjährige Potsdamer Schülerin, brachte kaum ein Zeugnis nach Hause, das von einer "Zwei", einem "Gut", verunziert worden wäre.

Wieder am Nullpunkt angelangt

Im Frühjahr ging’s ihm ziemlich schlecht, wegen der Politik, wegen der Jobs, wegen des Publikums, wegen einer früheren Kollegin.

Worte der Woche

"Ich habe bislang vom Westen keine Alternative gehört. Es kommt mir wie eine alte Schallplatte vor, welche immer wieder dieselben Töne spielt.

Später Auftakt

Vor zwei Jahren in Wladiwostok hatte Gorbatschow es schon angekündigt, und später in Krasnojarsk hatte er es bekräftigt: Die Sowjetunion will im pazifischen Raum eine größere Rolle spielen.

Ein Schirmherr für die Perestrojka

Die Sprecher des Weißen Hauses zeichnen sich ausländischen Journalisten gegenüber für gewöhnlich weder durch Entgegenkommen noch durch Geduld aus.

Was die DKP immer bestritten hat, das bestätigt jetzt der Schriftsteller Peter Schütt, von 1971 bis 1989 selbst Mitglied im Bundesvorstand der Partei: Von Anbeginn an hingen die westdeutschen Kommunisten am Ostberliner Tropf: Wes Geld ich nehm’, des Lied ich sing’

Als Rudolf Bahro zu Beginn der achtziger Jahre die DKP "die Agentur einer fremden Macht" und ihren Apparat samt Anhang einen "fremdfinanzierten Polypen" nannte, war ich, wie die meisten bundesdeutschen Kommunisten, entsetzt.

DDR-Justizminister im Zwielicht: Den Bock zum Gärtner gemacht

Der Minister der Justiz ist, am Freitag mittag, noch recht zufrieden mit sich und der Welt. Gerade war Kurt Wünsche zwei Tage lang zum ersten Mal Gast der Konferenz seiner westdeutschen Amtskollegen, und man ist sich "menschlich sehr viel nähergekommen – trotz einiger jüngerer Publikationen zu meiner Person".

Eine große Sache

Zu Recht gilt das Fragment des Archilochos als "dunkel": "Der Fuchs weiß viele Sachen, aber der Igel weiß eine große Sache." Isaiah Berlin hat die Dichotomie zum Hebel seiner schönen Tolstoj-Analyse gemacht; sie hat auch für den Jubilar Theo Sommer ihren Sinn.

Mit Glanz und Kraft

Vor etwa einem Jahr las ich im Spiegel: "Theo Sommer (59)..." Was danach dort geschrieben stand, weiß ich nicht mehr, denn die 59 traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel, alles andere drang gar nicht mehr in mein Hirn.

Das Volk muß "Ja" sagen können

Das Wort "Wir sind das Volk", das so unbezähmbar schien, soll offenbar doch noch gezähmt werden. Seine Kraft hatte es aus der Idee der Volkssouveränität empfangen, es nahm den grotesken Begriff "Volksdemokratie" beim Wort.

Naher Osten: Arafats Kehrtwende

Vorsichtiger hätte sich Jassir Arafat kaum ausdrücken können: "Wir sind, als PLO, nicht verantwortlich für diese Operation", erklärte der PLO-Vorsitzende nach dem Angriff von Terroristen der Palästinensischen Befreiungsfront mit Schnellbooten auf einen überfüllten Strand bei Tel Aviv.

Denken an Deutschland: Stichwort: Patriotismus

Also, eindrucksvoll war das wirklich nicht, eher ein Bild des Jammers, wie unsere stämmigen Nationalkicker im Gelsenkirchener Parkstadion vor sich hinmümmelten, als das Deutschlandlied erklang.

Bonner Bühne: Pfingstbotschaften

Die Frage werde ich beantworten, wenn sie ansteht. Im Moment steht sie nicht an." So gibt der Spiegel, in Sachen Lafontaine zumindest zeitweise authentischer informiert als die SPD-Spitze, die Haltung des Rekonvaleszenten auf die Frage wieder, ob er nur Spitzenmann seiner Partei für Bundestagswahlen sei oder auch Kandidat für gesamtdeutsche Wahlen.

Grüner Terror ohne Grenzen

Das Schlimmste war zu erwarten: Anschläge auf Spitzenpolitiker oder gar Mitglieder des Königshauses;

Nordirland: Geschichte eines Konflikts

1969: Ausbruch bürgerkriegsähnlicher Unruhen in Londonderry und Belfast. Im August wird die britische Armee erstmals als Polizeitruppe eingesetzt; im Dezember spaltet sich die IRA in die Provisional und die Official IRA.

Strafvollzug: Die rätselhafte Revolte

Es ist gutgegangen." Erschöpft, aber sichtlich erleichtert verkündete Hamburgs Justizsenator Wolfgang Curilla am Freitag vergangener Woche das unblutige Ende der Gefängnisrevolte in der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel.

Privatfunk: In Gottes Hand

Wenn Konkurrenten ihn den "Berlusconi von Bensheim" nennen, schwingt viel Spott mit, aber auch eine Portion Bewunderung. Denn Klaus-Jürgen Hoffie, 53, ist in der Privatfunk-Branche so etwas wie ein weißer Rabe: Während anderswo fast ausnahmslos Großverlage und Medienkonzerne das Geschäft mit dem kommerziellen Hörfunk machen, hat es der gelernte Nachrichtenredakteur Hoffie geschafft, in Südwestdeutschland ein kleines Funk-Reich aufzubauen.

Immer das gleiche Lied

Sind die Interessenvertreter der bundesdeutschen Wirtschaft schizophren? Absurd ist diese Frage nicht. Da bejubeln sie einerseits die ökonomischen Perspektiven der gesamtdeutschen Entwicklung und sehen mit Wohlgefallen, wie die Bundesregierung die Konjunktur weiter anheizt.

Die harte Tour

Mit fremden Maschinen und Besatzungen will Lufthansa-Chef Ruhnau die Kosten drücken

Verpackungen: Betulich

Der Kampf um den Verpackungsmüll tobt weiter. Nach den Vorschlägen von Bundesumweltminister Klaus Töpfer, Zwangspfand und Rücknahmepflicht für Verpackungen einzuführen, hagelt es von allen Seiten Kritik.

Roger de Weck:: Großer Wurf, schwere Mängel

Vergangene Woche legte die von Oskar Lafontaine präsidierte Kommission "Fortschritt ’90" ihren Bericht vor. Zwei Jahre lang haben 22 namhafte SPD-Politiker an einem Konzept für den "ökologischen Umbau der Industriegesellschaft" gearbeitet.

DDR-Versicherung: Bedenklich

Seitdem die Allianz und die Staatliche Versicherung der DDR ihre Hochzeit angemeldet haben, kracht es im Versicherungsgewerbe.

Bonner Kulisse

Das Wörtchen "unerträglich" gehört offenkundig zu den liebsten Formulierungen des Bundeskanzlers. Im U-Boot-Untersuchungsausschuß, vor dem Helmut Kohl letzte Woche auftrat, fand er mindestens ein Dutzend Mal die Gelegenheit, "unerträglich" zu sagen.

DDR-Markt: Behutsam

Längst sind die westdeutschen Unternehmer bei ihrem Wettrennen zu den neuen Märkten in der DDR in einen zögerlichen Dauerlauf gefallen.

Unternehmensgrundsätze der Lufthansa

Die Wünsche unserer Kunden stehen an erster Stelle. Sie sind der Maßstab unseres Handelns. Wir bieten unseren Kunden pünktliche, zuverlässige und sichere Luftverkehrsverbindungen in der Bundesrepublik Deutschland und zu den wichtigsten Punkten der Welt.

Pharmaindustrie: Auf dem Sterbebett

Die Wahl überraschte nicht: Hubertus von Loeper, der in der vergangenen Woche frisch gekürte neue Vorsitzende des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) und zugleich Geschäftsführer der Janssen GmbH in Neuss, gilt schließlich als Hoffnungsträger der Branche.

Rudolf Engen: Helm ab!

Immer wenn arbeitslose Lehrer und andere qualifizierte Akademiker ausbildungsgerechte Arbeitsplätze fordern, so daß sie anwenden können, was sie gelernt haben, fällt Dr.

Markt-Report: Bankaktien gehen voran

Der deutsche Aktienmarkt hat den Mai besser überstanden, als zunächst befürchtet worden war. Der Deutsche Aktienindex (Dax) konnte sich von seinem Jahrestiefstand ein gutes Stück erholen.

Rheinhausen: Neue Hoffnung

Am Donnerstag und Freitag dieser Woche soll der Vorstand der Krupp Stahl AG Farbe bekennen. An diesen beiden Tagen finden in Rheinhausen Belegschaftsversammlungen statt, in denen sicherlich nach der Zukunft des Werks gefragt werden wird.

Manager und Märkte

Wenn Eberhard von Kuenheim darüber nachdenkt, warum die Bayerische Motoren Werke AG (BMW), deren Vorstandsvorsitzender er ist, und die westdeutsche Industrie so erfolgreich agieren, dann fällt ihm als Grund dafür auch Überraschendes ein.

Schwierige Gratwanderung

Der Vorgang entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Gemeinsam machten US-Notenbankchef Alan Greenspan, der Chef des Einlagensicherungsfonds FDIC, L.

Die Pläne für den Anschluß

Rudolf Stadermann, Mittelständler und Vizepräsident des Unternehmerverbandes der DDR, weiß, wovon er redet. Als er sich 1980 selbständig machte, mußte er acht Jahre lang auf die Zuteilung eines Telephons warten.

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