Was der Volksmund einen Rostquietsch nennt, heißt eigentlich "Moskwitsch" und ist ein Automobil sowjetischer Produktion. Das Fahrzeug ist, wie übrigens alle in der DDR bisher gängigen Konsumgüter, in seinem Ansehen noch weiter gesunken, seit man die Möglichkeit hat, ein neuwertiges Exemplar gegen ein rostiges, quietschendes Westauto einzutauschen.

Eine Rekonstruktion ist in der aus dem Russischen übernommenen Bedeutung die Erneuerung oder Wiederherstellung alter Gebäude. Im Westen würde man das eine Sanierung nennen.

Ein Reparaturstützpunkt ist eine Einrichtung der kommunalen Wohnungsverwaltung in den Wohngebieten. Hier können/konnten die Mieter Werkzeuge und Materialien entleihen, um in ihren Wohnungen selbst das Nötige zu tun. Der Reparaturstützpunkt hieß nach dem "Machmit-Wettbewerb" zur Verschönerung der Wohngebiete auch "Mach-mit-Stützpunkt". Allroundhandwerker mußte man als DDR-Mann wohl sein, doch ohne private Quellen für Werkzeug und Material kam man dabei nicht aus. Vom schönen Gedanken des Mitmachens blieb das Selbermachen als permanente Notlösung.

Als Reisekader wurde intern bezeichnet, wer mit einem ständigen Visum mehr oder weniger freizügig das westliche Ausland bereisen durfte, bevor dies für jedermann möglich wurde. Von Reisekadern wurde erwartet, daß sie die DDR würdig vertreten; wer sie also unwürdig vertrat, wer lästerte, die falschen Kontakte knüpfte, sich in der Öffentlichkeit danebenbenahm, war mithin kein Reisekader mehr. Diese dem offenen Strafvollzug abgeschaute Praxis hatte zur Folge, daß man im Westen nur mustergültige DDR-Staatsbürger zu Gesicht bekam; noch gravierender war aber die Disziplinierung nach innen. Wissenschaftler, Künstler, Sportler, die einmal gereist waren, wollten sich dieses Privileg nicht verscherzen und beobachteten sich gegenseitig mit dem wachsamen Auge dessen, der da in irgendwelchen Hinterzimmern die nächste Westreise zu befürworten oder abzulehnen hatte. Welchem Psychoterror man sich aussetzte, wenn man auf dieses Schlupfloch in der Mauer hoffte, beschreibt Erich Loest in seinem Roman "Zwiebelmuster".

Übrigens begnügte man sich nicht mit der Praxis des offenen Strafvollzuges; vor jeder Reise war eine detaillierte Anweisung der zuständigen SED-Kreisleitung in Empfang zu nehmen, die sogenannte Reisedirektive, die den politischen Sinn der Westreise betraf. In der DDR, der "vorgeschobenen Bastion des Sozialismus", hatte alles politischen Sinn, besonders natürlich die "Feindberührungen", mit denen es die reisenden Emissäre zu tun hatten. Ihre Begegnungen und Gespräche mußten denn auch im sogenannten Reisebericht zusammengefaßt und fristgerecht an die zuständige Behörde zurückgereicht werden.

Republikflucht hieß eine andere Möglichkeit, in den Westen zu gelangen im offiziellen Sprachgebrauch. Das Wort leitet sich von "Fahnenflucht" her, ein Republikflüchtiger (eben nicht: -flüchtling) setzte sich wie ein Fahnenflüchtiger der lebenslangen Verachtung der Gesellschaft aus; er hatte mit strenger Bestrafung zu rechnen und mit einem kohlpechrabenschwarzen Fleck in der Kaderakte. Vorausgesetzt, daß man ihn erwischt hatte bei seinem Versuch, die Sache des Sozialismus und des Fortschritts der Menschheit meuchlings zu verraten.

Wladimir lljitsch Lenin hielt eine Revolution für möglich, wenn die Unterschichten das Alte nicht mehr wollen und die Oberschichten auf die alte Weise nicht mehr können. Solch eine "revolutionäre Situation" bestand in der DDR seit den frühen fünfziger Jahren; sie wurde entschärft durch die Möglichkeit der obengenannten Republikflucht (bis 1961), sie wurde "befriedet" durch die Präsenz sowjetischer Panzer. Die "Revolution" von 1989 war somit ihr eigener Nachzügler, und sie hätte wohl noch lang auf sich warten lassen, wenn nicht ein Enkel Lenins im Amt des sowjetischen Parteiführers mit der Friedenspalme gewunken hätte.