Wenn Eberhard von Kuenheim darüber nachdenkt, warum die Bayerische Motoren Werke AG (BMW), deren Vorstandsvorsitzender er ist, und die westdeutsche Industrie so erfolgreich agieren, dann fällt ihm als Grund dafür auch Überraschendes ein. "Der Druck der öffentlichen Meinung" habe dazu genauso beigetragen wie "die Strenge der gesetzlichen und behördlichen Auflagen". Auch wenn Entscheidungen der Politiker "nicht immer unseren Vorstellungen entsprachen", so der BMW-Boß, hätten sie immerhin auch dazu geführt, daß westliche Produktionswerke heute wesentlich moderner und wettbewerbsfähiger seien als die veralteten Fabriken in der DDR. Gesetzliche Auflagen hätten die Waren trotz ihrer Massenhaftigkeit "immer sozial- und umweltverträglicher" gemacht.

"Wir sollten diese begrenzenden Merkmale unseres freiheitlichen Systems nie aufgeben, auch wenn wir selbst bisweilen über einzelne Gesetzesmaßnahmen beredte Klage führen", meint von Kuenheim, der genau weiß, wovon er spricht. Denn er ist selbst für manch äußerst harte Politikerschelte bekannt geworden. Als zum Beispiel Mitte der achtziger Jahre die Bundesregierung binnen kurzer Zeit eine Katalysatorpflicht für Pkw einführen wollte, polterte er in Richtung Bonn, dann müsse BMW eben aufhören, Autos zu bauen.

Das Stromgeschäft mit der DDR werden auf westdeutscher Seite vorwiegend die Bayernwerk AG und die Veba -Tochter PreussenElektra bestreiten. Gemeinsam mit DDR-Partnern haben sie die Kraftwerks- und Netzgesellschaft (KNG) gegründet, die zunächst zwei Steinkohlenkraftwerke mit je fünfhundert Megawatt Leistung in Lübeck und Rostock bauen wird sowie zwei weitere Verbundleitungen zwischen dem DDR-Netz und den Netzen der westdeutschen Partner.

In dieses Geschäft sollen, so der PreussenElektra-Vorstandsvorsitzende Hermann Krämer, bis 1995 etwa 3,2 Milliarden Mark investiert werden, davon 1,2 Milliarden von seinem Unternehmen. Die beiden westdeutschen Firmen sind vor allem deshalb ins Geschäft gekommen, weil ihre Versorgungsgebiete an die DDR grenzen.

Andere Stromversorger, etwa das RWE, tun sich da schwerer. Auf die Frage, ob diese Unternehmen nur dann Strom in die DDR liefern könnten, wenn die Energie von PreussenElektra oder Bayernwerk weitergeleitet werde, antwortete Krämer lapidar: "Das sind unsere Spielregeln, in der Tat."

Auf den Prüfstand schickt Martin Posth, Personalvorstand der Volkswagen AG, die Manager des VEB Ifa-Kombinats Personenkraftwagen. Die DDR-Chefs, die bislang für den Bau des Trabants verantwortlich sind, müssen einen einwöchigen Test bestehen, wenn sie weiterhin in Spitzenpositionen bleiben wollen. Rund hundert Ost-Manager, die im Ifa-Kombinat auch nach der Wende als potentielle Führungskräfte gelten, nehmen in den nächsten Wochen an assessment-centers in der Bundesrepublik teil.

Wie der Nachwuchs in Wolfsburg werden auch die planerfahrenen Wirtschaftler mit Fragebogen, Interviews und Planspielen auf ihre Führungsqualitäten hin geprüft. Nur wer den Qualitätstest bestellt, wird in den Gesellschaften für Vertrieb und Produktion, die Ifa und VW gemeinsam in der DDR gründen wollen, mitreden können.