Trotzdem schwärmen die alten Besatzungen und die Passagiere von damals heute noch von der Conny. Es war wohl der menschliche Kontakt, der sich auf langen Strecken bildete, in der Kabine wie im Cockpit. Es ist aber auch die Erinnerung an die damalige Exklusivität des Fliegens. Prominenz war an Bord, zum Beispiel Konrad Adenauer, der wegen seiner Disziplin bei den Besatzungen sehr beliebt war und die besonderen Frühstückswünsche seines Sohnes Max einmal mit den Worten abblockte: „Frollein, lassen Se dat, hier wird jejessen, wat auf den Tisch kommt!“

Nach der Landung gefilzt

In der Luxusausstattung der Conny gab es eine Bar und einen Steward im Frack, dem beim Überqueren des Äquators die Zeremonie der Äquatortaufe oblag. Es gab einen Kochsteward mit richtiger Kochmütze, der auf Wunsch Kartoffelpuffer buk, wofür die Prominenz Hummer und Kaviar stehenließ. Kochsteward und Funker waren übrigens die einzigen Besatzungsmitglieder mit einem „ordentlichen“ Beruf. Sie wurden als erste wegrationalisiert.

Nach einer Flugzeit von mehr als elf Stunden begann der Anflug auf New York. Wie vor der Landung in Shannon wurde DDT versprüht, mußte ein unvorstellbarer Papierkrieg bewältigt, die Zollbox verplombt und auch der kleinste Essensrest verpackt werden. Noch pingeliger waren die amerikanischen Behörden bezüglich Paß, Visum und Impfbescheinigung.

Um 11 Uhr morgens schienen sich über New York stets alle flugfähigen viermotorigen Prop-Modelle zu treffen. Auch hier wieder Gedränge. Nach über 17 Stunden Flugzeit insgesamt und mehr als 23 Stunden Dienst war man für eine schnelle Landeerlaubnis sehr dankbar. Manchmal klappte es, meistens nicht.

Meine erste Landung in Idlewild war eine herbe Enttäuschung: Nissenhütten und Baracken, nicht die Spur von Großzügigkeit. Ich geriet in die 1955er Uranpsychose. Unsere astronomischen Leuchtzifferuhren ließen die Geigerzähler verrückt spielen. Wir wurden gefilzt. Ich stand in Hemd und Hose, die Schuhe in der Hand, auch sie wurden „geröntgt“. Meine Verärgerung über diese Begrüßung wurde mit der überwältigenden Antwort quittiert: „Boy, you are having quite a reception.“

Die alte Dame hat das alles wieder wettgemacht: Junger Mann“, sagte sie nach der Landung zum Kopiloten, „was ich Ihnen noch sagen wollte, der Motor auf der rechten Seite hat die ganze Nacht gebrannt!“ Die ganze Nacht über hatte sie die glühende Turbine von Motor Nummer drei im Blick gehabt. „Aber, gnädige Frau, warum haben Sie denn nichts gesagt?“ – „Ach, das Feuer ist ja nicht größer geworden.“ Das war noch Vertrauen.