Krupp überdenkt die Schließung des Stahlwerks

Am Donnerstag und Freitag dieser Woche soll der Vorstand der Krupp Stahl AG Farbe bekennen. An diesen beiden Tagen finden in Rheinhausen Belegschaftsversammlungen statt, in denen sicherlich nach der Zukunft des Werks gefragt werden wird.

Anfang Mai 1988 war nämlich beschlossen worden, die Stahlerzeugung in Rheinhausen Ende dieses Jahres endgültig aufzugeben. Aber gleichzeitig war damals am Ende eines langen, aufsehenerregenden Arbeitskampfs abgemacht worden, daß die Unternehmensleitung Mitte 1990 mit dem Betriebsrat Gespräche darüber aufnimmt, "ob die wirtschaftliche Entwicklung einen spateren Termin möglich erscheinen läßt".

Als der damalige Vorstandsvorsitzende von Krupp Stahl, Gerhard Cromme, in der Düsseldorfer Staatskanzlei seine Unterschrift unter diese Vereinbarung setzte, war er ziemlich fest davon überzeugt, daß die Öfen tatsächlich Ende 1990 ausgehen würden. Zwar hatte sich die Stahlkonjunktur damals deutlich erholt, aber an einen Boom bis weit in das Jahr 1990 hinein mochte niemand glauben. Die Verpflichtung zu neuerlichen Gesprächen glich einer Arabeske.

Für den Betriebsratsvorsitzenden von Rheinhausen, Manfred Bruckschen, ist hingegen der Stillegungsbeschluß in Frage gestellt, denn seiner Meinung nach stimmt die Vereinbarung vom 3. Mai 1988 nicht mehr. Damals habe man mit einer Rohstahlproduktion von jährlich 35 Millionen Tonnen gerechnet, in Wahrheit seien aber 1988 und 1989 jeweils 41 Millionen Tonnen erschmolzen worden.

Und Rheinhausen, so Bruckschen, habe in diesen beiden Jahren mit durchschnittlich 300 000 Tonnen Stahl im Monat die höchste Produktion in der Werksgeschichte erzielt. Krupp Stahl verdiente damit rund eine Milliarde Mark. Bei diesen Zahlen sei es wohl zu verstehen, daß die Belegschaft allmählich unruhig werde und vom Vorstand nun endlich Klarheit verlange.

Auf halber Flamme