Die hastige Demontage des Symbols geriet selbst zum sinnbildlichen Akt: Nach konfusem Gezänk beschloß nun die Volkskammer, das Staatswappen der DDR von allen öffentlichen Gebäuden zu entfernen oder zumindest notdürftig zu verhängen. Auf der "Spalterflagge" dürfen Hammer, Zirkel und Ährenkranz zwar weiterhin im Westwind flattern – aber nur die Sorge um Zeit und Geld verhinderte, daß die sozialistischen Insignien auch aus der Verfassung getilgt wurden. Sonst hätten neue Siegel und Stempel angefertigt werden müssen. Das kann, das will niemand mehr bezahlen.

Was Wunder, daß sich da in Ost-Berlin kaum noch jemand die Mühe macht, nach neuen Wahrzeichen der inneren Einheit dieser Noch-DDR zu suchen. Folgerichtig kann die Koalitionsregierung auch niemandem mehr zumuten, als Staatspräsident der nunmehr demokratischen Republik ein paar Monate lang einen Hauch von Identität zu vermitteln. Im März noch hatte das Kabinett de Maiziere zwei Bischöfen das höchste Staatsamt angetragen. Sie lehnten ab. Jetzt begnügt man sich mit der Parlamentspräsidentin als biederem Ersatz.

Zumindest ehrlich ist diese ärmliche Selbstdarstellung der DDR. Denn ein Staat, der als Hauptzweck seiner Politik nur noch die leidliche Selbstauflösung verfolgt, muß seinen Bürgern falsche Symbole – ob nun alt oder neu – ersparen. cw