Mit dem Beschluß der britischen Sozialdemokraten (SDP), sich selbst aufzulösen, geht ein kurzes, aber bewegtes Parteischicksal zu Ende. Enttäuschte Labour-Politiker, angeführt von der "Viererbande" Roy Jenkins, Shirley Williams, Bill Rodgers und David Owen, hatten 1981 ihre Partei verlassen. Zusammen mit den Liberalen versuchten sie, das britische Zweiparteiensystem aufzubrechen und dem Wähler einen Mittelweg zwischen immer rigiderem Labour-Sozialismus und harschem Neokonservatismus anzubieten. Gescheitert sind sie nun am britischen Mehrheitswahlrecht, am tradierten Wählerverhalten – und an sich selbst.

Parteichef David Owen, ein intelligenter, egozentrischer Politiker, hatte sich 1988 gegen die Verschmelzung mit den Liberalen gestemmt und die Minderheit ihm ergebener Sozialdemokraten in die Diaspora geführt. Die Wähler, irritiert durch die Aufsplitterung der ohnehin kleinen Zentrumsparteien, verloren das Interesse. Bei der letzten Nachwahl vor ein paar Wochen wurde die SDP sogar von der exotischen Raving Monster Loony Party überrundet.

Trotz ihres unrühmlichen Endes hat die SDP die politische Landschaft Großbritanniens verändert. Erst die Konkurrenz der sozialdemokratisch-liberalen Allianz hat Labour zur Besinnung gebracht. Heute vertritt Labour Programminhalte, welche die Sozialdemokraten bereits zu Beginn der achtziger Jahre formuliert haben. Die Mischung aus ökonomischer Einsicht und sozialem Gewissen, für die David Owen so beredt plädierte, hat ihre Wirkung selbst auf die Konservativen nicht verfehlt, bei denen Margaret Thatchers Rivale Michael Heseltine ein ähnliches Konzept vertritt.

Solche Verdienste sind allerdings nur ein schwacher Trost für eine Partei, um deren Erbmassen sich jetzt die früheren Kontrahenten balgen. J.K.