Monolog nach Mitternacht: auf dem Bildschirm leider unterbrochen von Theaterszenen, die kein Bild des "Spiels vom Fragen" vermitteln konnten, sondern dieses Spiel mit Fragen störten, überzuckert von moderaten Worten im Abspann – als könne man dem Fernsehpublikum den Dichter als Zumutung nicht zumuten.

Ein Klamauk. Herrliches Kasperltheater. Der Schriftsteller Peter Handke zwischen Größenwahn und Grimasse, Wut und Sanftmut, Umsichschlagen und Verzagen. In der Nacht von Pfingstsonntag auf Pfingstmontag – Extrasendung von aspekte im ZDF, kurzfristig ins Programm genommen: Handke verteidigt sich aggressiv nach einer Aufführung seines Stücks "Das Spiel vom Fragen" gegen das Publikum des Wiener Burgtheaters, gegen eine große Zahl Unentwegter und Neugieriger, die nächtens – nach vier Stunden Theater – einer Einladung zur Diskussion gefolgt sind. Handke in seiner besten, weil heikelsten Rolle. Und in einer überraschenden: Wann zuletzt hat er, der Wanderer jenseits der Zentren, sich solchen Fragen gestellt, sich dem ganz gewöhnlichem Fragenspiel ausgesetzt?

"Welche Unverschämtheit ist das, von mir zu verlangen, das jetzt noch einmal und schlechter und kümmerlicher zu sagen." Nein, sein Stück erklären will er nicht. Trotzig sitzt er da, mit übergeschlagenen Beinen, eine Hand vor dem Mund. "Entweder haben Sie das erlebt oder nicht erlebt!" Wenn er als Schreiber überhaupt etwas sei, dann..., er fährt nicht fort. "Nehmt das doch gefälligst zur Kenntnis", sagt er und betont bedrohlich gefälligst, "ihr Wichte!" Er könne das nicht auf "zwei Alternativen" bringen, setzt er weicher, fast beschwörend neu an: "Das wißt ihr doch alle!" Zu sanft? Im nächsten Satz wechselt er den Ton, schroffe Abfuhr: "Geht doch endlich nach Hause mit dieser Geschichte!"

Diese Geschichte: das ist die alte Frage nach dem Sinn, nach der Bedeutung, der Meinung, der Politik. Und als dann eine Zuhörerin gar die "Frauenfrage" anspricht, wissen will, warum nur zwei Frauen (und sechs Männer) in dem Stück zu sehen seien, weist er sie eisig ab: "Was ist die Frauenfrage? Wo haben Sie dieses Wort her?" Ob es auch eine Männerfrage gebe? Das alles interessiere ihn nicht.

Wut im Publikum ob solcher Arroganz: Welche Fragen man denn überhaupt stellen dürfe? Stellen solle? Beifall. "Welche Sie wollen", sagt er, "die Ihnen am Herzen liegen." Dann übergangslos: "Sonst keine! Alle anderen Fragen – mit denen können Sie scheißen gehen!" Dazu eine herrische Bewegung mit der linken Hand, wie eine Verweis, ein Hinauswurf.

Der Dichter: ein einsamer Cowboy. Mit dem Fuß haut er den Stativarm des Mikrophons von sich. Einer Zuschauerin ist das zuviel. Protestierend verläßt sie die Runde, sie bekomme hier Magenschmerzen. Warum er so arrogant sei, will man wissen. "Was soll daran arrogant sein?" fragt der Ausgefragte zurück. Er kommt ins Stocken, gibt sich einen Ruck, versucht es mit rhetorischer Unterstreichung, wieder mit einer Armbewegung, rettet sich in eine neue Drohgebärde: "Daran ist nichts arrogant. Nichts. Kein Wort, kein Ton, keine Stimme, keine Haltung ist daran arrogant. Nehmen Sie das zur Kenntnis!"

Als einer nicht locker läßt und stehend den Volksredner gibt, der hier seine Zeit vergeude und nun "ehrlich" etwas sagen müsse, fährt Handke ihn an: "Das sagen die Österreicher immer: ‚Ich muß ganz ehrlich sagen‘ – wenn sie anfangen zu lügen, sagen sie immer: ‚Ich muß ganz ehrlich sagen‘. .." Erfolg: das hören die Österreicher gern.