Wenn Autos Hilfe brauchen: Notrufzentralen

Rund 90 000 bundesdeutsche Urlauber haben im vergangenen Jahr bei einer der neunzehn ADAC-Auslands-Notrufstationen um Hilfe gebeten.

In den Monaten Juli und August sieht Peter Cleves die Champs-Élysées und den Arc de Triomphe nur bei Nacht. "Dann steht das Telephon nicht mehr still – achtzig Anrufe pro Tag", beschreibt der Leiter der Pariser Notrufzentrale die sommerliche Hektik. Seinen Kollegen in Avignon, Bordeaux und Perpignan geht es nicht besser: 25 000 bundesdeutsche Urlauber benötigten 1989 Notfallhilfe in Frankreich. Damit liegt die Grande Nation mit Abstand auf dem ersten Platz in der Gesamtstatistik, gefolgt von Spanien mit 23 000 und Jugoslawien mit 19 000 Hilfeleistungen.

Auch in den Bereichen Abschlepphilfe und Kreditleistungen hält Frankreich die Spitze: So mußten aus keinem anderen europäischen Land so viele Autos nach Deutschland zurücktransportiert werden wie von dort. Der Hauptgrund ist, neben dem Mangel an Ersatzteilen, das Fehlen von Vertragswerkstätten der Autokonzerne. Urlauter sollten sich deshalb vor Reiseantritt über das Werkstattnetz informieren und einen kleinen Notfallset mit Ersatzteilen im Auto haben.

Andere Länder – andere Probleme für den Autofahrer: In Spanien erteilte der ADAC die meisten Abschlepp- und Werkstattaufträge, weil viele Fahrer ihre Autos überfordert hatten. Nach Jugoslawien wurden die meisten Ersatzteile verschickt, da fast überall im Land die Versorgungslage in den Werkstätten äußerst schlecht ist.

Die Statistik der Auslands-Notrufzeniralen belegt aber auch ein teilweise fahrlässiges Verhalten der Autouilauber. "Viele starten schlecht vorbereitet", räumt Hans-Dieter Paulus ein. Der "Leiter der ADAC-Notrufzentralen im Ausland" hat unterschiedliche Gefahrenpunkte vor allem auf den klassischen Transitstrecken ausgemacht: Richtung Spanien sind es Materialprobleme. Hier legen Urlauber zu schnell zu weite Strecken zurück oder stehen häufig längere Zeit im Stau. Beides führt zur Überhitzung des Motors.

Richtung Türkei ist es vor allem menschliches Fehlverhalten, das zu Notfällen führt. Hier sind es vor allem ausländische Arbeitnehmer, die in zu alten und zu überladenen Fahrzeugen in Schwierigkeiten geraten. Schwerpunkt ist dabei der berühmt-berüchtigte Autoput in Jugoslawien.

Allgemein rät der ADAC deshalb: Urlauber, die weite Strecken mit dem Auto zurücklegen, sollten alle 200 bis 300 Kilometer eine Pause einlegen, um so eine Überhitzung des Motors zu verhindern (häufigster Schaden). Ferner sollten regelmäßig der Öl- und der Wasserstand geprüft werden.

Wenn Autos Hilfe brauchen: Notrufzentralen

Wenn es trotzdem zu einer Panne kommt, sind die neunzehn ADAC-Auslandsstützpunkte am besten telephonisch zu erreichen. Fünf Stationen (Athen, Barcelona, Belgrad, Paris und Rom) sind das ganze Jahr über besetzt: montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr. Die übrigen Stützpunkte sind zwischen Juni und September montags bis samstags zwischen 9 und 17 Uhr aufnahmebereit. Wer auf Nummer Sicher gehen will: Der Münchner ADAC-Auslandsnotruf (Tel. 22 22 22) ist rund um die Uhr besetzt.

Jedes ADAC-Mitglied kann sich an die Notrufzentralen wenden. Finanzielle Hilfe wird allerdings nur den mittlerweile rund 3,8 Millionen Schutzbrief-Inhabern gewährt. Die Hilfe im Rahmen des Euro-Schutzbriefes (60,10 Mark) reicht von der Autoreparatur übers Abschleppen oder den Leihwagen bis zum Krankenrücktransport und Kredit. Der Euro-Schutzbrief gilt in ganz Europa und in den Anliegerstaaten des Mittelmeeres.

ADAC-Vorstandsmitglied Georg Wörle räumt ein: "Häufig stehen wir auch Nichtmitgliedern mit Rat und Tat zur Seite. In ernsteren Fällen können wir mit unseren guten Kontakten im Ausland eine schnellere Hilfe ermöglichen."

Ein weißer Fleck in puncto Auslands-Notrufstationen bleibt allerdings Osteuropa: Als Test wird der ADAC in diesem Sommer in Ungarn eine Station in Betrieb nehmen.

Ein Problem werden die Notrufstationen jedoch auch in Zukunft nicht lösen können: Viele der hilfesuchenden Urlauber wissen bei ihrem Anruf nicht, wo sie sind: "Wir finden jeden. Doch bei der Suche geht oft wertvolle Zeit verloren", weiß Peter Cleves aus Erfahrung. Er rät deshalb: Bereits beim Anruf sollte man eine genaue Ortsbeschreibung vor sich haben.

Peter Hinze