Das Geld von drüben spielte in der Praxis der DKP eine immer größere Rolle. Anfangs flossen die Gelder noch vergleichsweise spärlich. In Hamburg begann die Unterstützung Anfang der siebziger Jahre damit, daß im Hafen ansässige und im Ost-West-Handel tätige DDR-eigene Firmen der DKP Büroräume bereitstellten, deren Mieten sie über ihre eigene Rechnung abwickelten. Die Firmen übernahmen danach immer mehr hauptamtliche Funktionäre der DKP in Scheinarbeitsverhältnisse. Das führte in Hamburg schließlich dazu, daß am Ende mehr als die Hälfte aller Parteikader formal Angestellte von DDR-Firmen waren und von dort auch ihre schmalen Gehälter bezogen. Daran mußte letzten Endes in den Jahren 1987 bis 1989 auch der Versuch der Hamburger Parteiorganisation scheitern, die DKP zu "erneuern". Über den materiellen Hebel war der gesamte Parteiapparat erpreßbar – bis hin zur Verweigerung der Geldmittel für Parteikonferenzen und Diskussionsforen.

Seit Anfang der siebziger Jahre unternahm die SED alles, sich bei der DKP einzukaufen: 1972 erwarb ein "Etablissement Hanseatic" in Liechtenstein für eine Million D-Mark das Thälmannhaus in Hamburg-Eppendorf. In dieses Haus, in dem vor 1933 der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann gewohnt hatte, zog nach und nach der Hamburger DKP-Bezirksvorstand und war dadurch auch räumlich aufs engste mit der DDR verbunden – so sehr, daß Fachleute von drüben in den Jahren des Parteistreites in den Sitzungsräumen Abhöranlagen installieren konnten. Die Düsseldorfer Parteizentrale ist so aus erster Hand über die Reformvorstellungen der Hamburger Dissidenten informiert worden.

Hamburg ist nur ein Beispiel. In anderen Bezirken wurden andere Konstruktionen gefunden, um den DKP-Apparat möglichst eng an die ostdeutsche Bruderpartei zu ketten. Das Geld jedenfalls floß in Strömen. Zeitweilig, besonders nach den von der DKP pflichteifrig bejubelten Breschnjew-Besuchen in der Bundesrepublik, schienen SED und KPdSU geradezu miteinander zu wetteifern, die DKP in ihrem opfervollen Kampf zu unterstützen, nicht zuletzt, um den ideologischen Einfluß der eurokommunistischen Parteien in Frankreich und Italien zurückzudrängen.

Die DKP-Führung schien in Geld zu schwimmen. Besonders bei den ersten Pressefesten, die bewußt als Gegengewichte gegen die populären Feste der italienischen und der französischen Kommunisten geplant waren, gingen die Geldboten mit ihren Koffern regelrecht von Stand zu Stand, um die Helfer und Künstler gebührend zu entlohnen. Um national und international angesehene Künstler anzuwerben, wurden gewaltige Summen bezahlt, manchmal bis zu 100 000 D-Mark für einen Star. Das sorgte regelmäßig für böses Blut bei den ‚Lieder- und Theatermachern aus den eigenen Reihen, die mit einer schäbigen "Genossengage" abgefunden wurden.

Es gab Momente, da wurde das Geld wie Heu ausgegeben, etwa aus Anlaß des 8. Mai 1985, des vierzigsten Jahrestages der Befreiung vom Faschismus. Aufgrund eines einsamen Beschlusses von Erich Honecker wurden über zehn Millionen für eine kurzfristige "antifaschistische Kampagne" zum Fenster hinausgeworfen. Ein eigener Buchversand wurde aus dem Boden gestampft, acht hauptamtliche Kräfte eingestellt, ein aufwendiger Katalog in Millionenauflage gedruckt, alles mit dem Ziel, das Klima in der Bundesrepublik "angesichts des bevorstehenden Staatsbesuchs Erich Honeckers positiv zu beeinflussen".

Kurzfristig umgelenkt

In anderen Situationen wurden die Geldmittel kurzfristig umgelenkt. Als sich während der Biermann-Krise die Kulturschaffenden im Umfeld der DKP als "schwankende Elemente" erwiesen hatten, gab die SED die Anweisung, den "Schwerpunkt konsequent auf die Arbeit in den Großbetrieben zu legen". In die Kulturarbeit floß fortan weniger Geld, es wurden hundert neue Kader für Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit eingestellt, Betriebsarbeiterschulen wurden geschaffen, die Mitglieder des Präsidiums zogen den Blaumann an und wurden Mitglieder von Konzernbetriebsgruppen. Ganze Betriebsgruppen wurden auf Delegationsreisen in die DDR, die Sowjetunion und in die Mongolei geschickt, ohne daß sich dadurch der DKP-Einfluß in der Arbeiterschaft erweiterte.