Nicht immer wurden die Zuwendungen bar ausgezahlt, mitunter gab es statt dessen Sachgeschenke, die das Erscheinungsbild der Partei und ihrer Verbündeten sichtbar prägten. So erhielt die SDAJ Anfang der achtziger Jahre, als die Friedensbewegung mit ihren pazifistischen Symbolen das Straßenbild beherrschte, 5000 Thälmannbanner, gleich 5000mal ging Honeckers Autobiografie an die Genossen der Bruderpartei. Und wenn es sein sollte, kamen auch lastwagenweise Weihnachtsbäume von drüben, damit die DKP-Fraktionen im Ruhrgebiet und in Hessen mit Billigverkäufen gegen den Preiswucher des Großkapitals protestieren konnte. Die DKP in Hamburg blieb im Bürgerschaftswahlkampf 1978 auf Tausenden Labskausdosen aus Rostock sitzen.

Der Glaube an die Macht des Geldes war bei den zuständigen Abteilungen der SED offenkundig grenzenlos. Mit Geld glaubte man jede Krise meistern zu können. Abtrünnige Genossen wurden mit eindrucksvollen Geldzahlungen abgefunden und zum Schweigen gebracht. Die von DKP-Chef Herbert Mies ausgebooteten Mitglieder der Parteiführung erhielten einflußreiche und einträgliche Positionen in DDR-eigenen Ost-West-Betrieben. Wann immer ich mich mit einer kritischen Frage, einem Einwand, einer anderen Meinung an den Parteivorsitzenden wandte, zeigte er zunächst ein offenes Ohr, aber am Ende stand bei ihm stets eine Gegenfrage: "Brauchst du Hilfe? Sollen wir dir Geld geben?"

Das Geld half am Ende nichts. Auch ohne die Entlassung des Genossen Schalck-Golodkowski waren die DKP-Medien dem Zusammenbruch nahe. In den vergangenen Jahren wurden nur noch Löcher gestopft. Die Lagerkosten für nichtverkaufte Bücher, Broschüren und Zeitschriften betrugen in jedem Monat Hunderttausende. Zeitschriften wurden gedruckt, deren reale Abonnentenzahl weit unter 500 lag. Der Rest wurde umsonst verteilt, in die DDR geschickt oder blieb liegen. Mindestens zwölf Millionen kostete die Parteizeitung UZ im Jahr. Die Zeitung hatte über dreißig Redakteure und unterhielt mehrere Auslandsbüros, sie wurde aber zum Schluß höchstens von jedem dritten DKP-Mitglied gelesen.

Während andernorts das Geld reichlich floß, wurden die allermeisten der 570 hauptamtlichen Parteiarbeiter knapp bei Kasse gehalten. Die Mehrzahl von ihnen besaß keine legalen Arbeitsverhältnisse, hatte oft keine Alters- und Krankenversorgung und lebte mit 1700 D-Mark im Monat nur knapp über dem Existenzminimum. Das geringe Parteigehen nötigte ihnen einen fast mönchischen Lebenswandel als Berufsrevolutionäre auf, erlaubte ihnen in der Regel kein normales Familienleben und machte sie zu willfährigen Ministranten der Parteiführungen von DKP und SED. Wenn sie gut gearbeitet hatten, wurde ihnen ein gelber Briefumschlag zugesteckt, der nach Stalinscher Praxis einen Betrag enthielt, über dessen Verwendung der betreffende Genosse keinerlei Rechenschaft schuldig war.

Die meisten "Parteisoldaten" führten ein so kärgliches Leben, daß sie möglichst an jedem zweiten Wochenende und in jedem Urlaub in die DDR reisten, um dort die Errungenschaften des real existierenden Sozialismus in Anspruch zu nehmen. Drüben bekamen sie ein Tagegeld von 25 Mark und konnten in den Gästehäusern der SED kostenlos essen und wohnen. Der Ferienscheck des FDGB ermöglichte ihnen in der DDR freies Reisen: einfache Gründe, warum vielen DKP-Funktionären die DDR wie das Arbeiterparadies auf Erden vorkommen mußte.

Das Gebot der kargen Lebensführung galt jedoch nicht für die Nomenklatura an der Spitze der DKP. Die Mitglieder des vielköpfigen Parteipräsidiums bewohnten rings um Düsseldorf durchweg ein Eigenheim und fuhren einen standesgemäßen Westwagen. Dem engeren Führungszirkel standen eigene Fahrer zur Verfügung. Überdies besaßen die meisten Führungskräfte in der DDR, wo sie bis zur Wiederzulassung der Kommunistischen Partei im Exil gelebt hatten, noch eine Wohnung und eine Datsche, in die sie sich jederzeit zurückziehen konnten. Selbst den einzelnen Bezirksvorständen standen solche Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung. Im Gästehaus der SED in Rostock, dem "Haus Stolteraa" in Warnemünde, war ständig ein Zimmer für den Hamburger DKP-Vorsitzenden reserviert. Es wurde erst gesperrt, als der Hamburger Stammgast auf Konfrontationskurs zur Düsseldorfer Parteispitze gegangen war.

Jahr für Jahr hat die SED ihrer westdeutschen Bruderpartei sechzig Millionen zugesteckt. Ich halte diese Schätzung der Verfassungsschützer für realistisch. Berechnet auf mehr als zwanzig Jahre, ergibt das eine Summe von weit über einer Milliarde D-Mark, ein stolzer Betrag, der vermutlich zum wesentlichen Teil in den Sand gesetzt wurde.