Auch ich habe von diesem Geld profitiert, fünfzehn Bücher von mir sind in subventionierten Verlagen erschienen. Aber genau dieses Geld hat die Verlage auch ruiniert, zum Beispiel den Pahl-Rugenstein Verlag, der zum Schluß 980 Bücher, beileibe nicht nur von Kommunisten, im Angebot hatte.

Der Kofferträger von drüben brachte nicht nur Bares, er brachte auch Zensurverfügungen mit. Als der Pahl-Rugenstein Verlag mein Gedichtbändchen "Moskau funkte wieder" mit der Invektive "Der Chefideologe" herausbrachte, fühlte sich Kurt Hager persönlich getroffen und entschied: "Der fliegt raus." Und folglich flog ich mit allen Büchern aus dem Verlagsprogramm. Hager sei Dank: Er hat mir zum rechtzeitigen Absprung verholfen.

Das plötzliche Versiegen ihrer Geldquellen hat die DKP-Finanzbuchhalter gänzlich unvorbereitet getroffen. Drei Tage vor seinem Rücktritt hatte Erich Honecker noch den "Finanzplan der DKP für das Jahr 1990" abgesegnet, der 67,9 Millionen Westmark für die Bruderpartei vorsah. Mitte November legte Egon Krenz noch einen Notplan vor und stellte 46,5 Millionen Mark in Aussicht. Doch die erreichten den Empfänger nicht mehr. Von Anfang Dezember an waren die Kassen der DKP restlos leer, und es folgte ein Zusammenbruch auf der ganzen Linie.

Zum Jahresende gekündigt

Zum Jahresende wurden 570 Parteiarbeiter entlassen. Abfindungen erhielten sie nur in denjenigen Kreisen und Bezirken, in denen es noch Rücklagen gab. Das gleiche Schicksal traf mehr als 150 Mitarbeiter, die im Umfeld der Partei, in der SDAJ, dem MSB Spartakus, der VVN und der DFU tätig waren. Mehr als 900 Parteiveteranen, ehemalige hauptamtliche Mitarbeiter der KPD und der DKP, die meisten von ihnen ohne soziale Absicherung, wurden in bittere Not gestürzt, weil ihre Parteirenten nicht mehr gezahlt wurden.

In den allermeisten Bezirken wurde die DKP über Nacht obdachlos. Die Räume im Hamburger Thälmannhaus wurden zum Jahresende gekündigt, die Düsseldorfer Parteizentrale in der Prinz-Georg-Straße wurde verkauft, aus verschiedenen DKP-Druckereien wurden Maschinen abgeholt und bei Nacht und Nebel in die DDR zurückgeschafft. Dreizehn DKP-nahe Zeitschriften stellten Ende 1989 ihr Erscheinen ein, 27 Buchhandlungen aus der "Akzent"-Kette meldeten ihren Konkurs an, ebenso der Pahl-Rugenstein Verlag und der Brücken-Verlag, über den immerhin ein Viertel des Buchexports aus der DDR in die Bundesrepublik abgewickelt wurde.

Vom Medienimperium der DKP ist kaum etwas übriggeblieben, die UZ als kümmerliche Wochenzeitung, die Marxistischen Blätter als Zweimonatszeitschrift. Einige Publikationen haben inzwischen einen Neuanfang versucht. Glaubwürdig gelungen ist das nur bei solchen Zeitschriften, die sich wie die Blätter für deutsche und internationale Politik, die Dritte Welt oder Demokratie und Recht schon vor der Wende aus dem Fahrwasser der DKPSED-Parteilinie freigeschwommen hatten. Neu herausgekommen ist auch die Volkszeitung, die vom Pahl-Rugenstein Verlag zu Elefantenpress in West-Berlin gewechselt ist. Chefredakteur und Redaktion sind nahezu dieselben geblieben und brachten das Kunststück fertig, sich innerhalb von ein paar Wochen von linientreuen DKP-U-Booten zu radikal-demokratischen Sozialisten zu läutern.