Neues von Wussow

Krise bei Becker, Abschied von Beckenbauer, Gipfel in Washington – die Ereignisse überschlagen sich, daß unsereins kaum noch mitkommt. Gut zu wissen, daß es trotz allem noch etwas gibt, was verläßlich standhält auch in schnellebiger Zeit: Wussow in Horzu. Nach Wochen irritierenden Schweigens ergreift er in Heft 22 (Titel: "Warum nur, warum versteht mich kein Mensch ...") wieder das Wort. Schonungslos gegen sich und den Leser kommt er zur Sache: "Ich habe geweint, ja, ich habe geweint, als ich das Drehbuch gelesen habe. Mein Fernsehsohn stirbt in der Silvesternacht. Furchtbar. Ich hoffe nur, daß ich dieses Unglück den Zuschauern auch lebensnah vermitteln kann." Silvesternacht, Drehbuch, Weinen, furchtbar – noch ehe wir des Sinns dieser Sätze ganz innewerden, lesen wir weiter. "Die Journalisten haben mich falsch verstanden. Sie haben mir nicht tief genug in die Seele geschaut. Warum nur, warum versteht mich kein Mensch?"

Tja, warum?

Gruß Wörter

O Schande! Schamrot im Gesicht entnehmen wir einer Jubiläumsbroschüre die Bedeutung eines Verbandes, den wir als Beratungsgremium der Putzmittelindustrie verkannt haben (siehe die Aufdrucke von 99 Prozent aller Waschmittelpackungen). Der Deutsche Hausfrauen-Bund e. V. (DHB) ist 75! Rita Süssmuth lobt in ihrem Grußwort den DHB – "nach wie vor gilt Ihr Einsatz der Forderung der öffentlichen Anerkennung des Berufes ‚Hausfrau‘" – und schreibt: "Bundeskanzler Helmut Kohl hat 1989 treffend darauf hingewiesen, daß der Deutsche Hausfrauen-Bund ‚im besten Sinne des Wortes Interessensvertretung und Sprachrohr der Hausfrauen‘ ist." Helmut Kohl persönlich dankt für den "Einsatz zur Anerkennung der Leistung unserer Hausfrauen" und hebt von seiner Seite "die in den letzten Jahren geschaffenen Leistungen" hervor. Ignaz Kiechle sieht "größere Entlastung" für die Hausfrau: "Moderne Maschinen erleichtern ihr die Arbeit." Norbert Blüm schreibt, der DHB trete "für die Anerkennung der Frau in Beruf und Gesellschaft ein", und die Bundesregierung habe "für Frauen, Familie und Beruf vieles getan"; Ursula Lehr nennt Maßnahmen der Regierung, die "zu einer gesellschaftlichen Anerkennung der Arbeit in der Familie wesentlich beigetragen" haben, und wünscht dem DHB "eine erfolgreiche Arbeit". Wir schließen uns an, nicht ohne beruhigt festzustellen, daß nach dem letzten vergleichbaren Schnitzer unsererseits (1964 haben wir den groß gefeierten "Tag der deutschen Essiggurke" übersehen) sich eigentlich auch nichts wesentliches verändert hat.