Teufelswerk

In Europa war der Lambada, ein brasilianischer Modetanz, der Sommerhit des vergangenen Jahres. Bei der katholischen Kirche in einigen sittenstrengen lateinamerikanischen Ländern stößt die erotische Parkettgymnastik dagegen auf erbitterte Gegenwehr. Bischöfe aus Kolumbien, Chile und Guatemala halten den Lambada für eine "Manifestation des Teufels". Sie verlangen vom Heiligen Stuhl, er möge diese "groteske Form der Sünde" offiziell verurteilen. Mit ähnlichen Forderungen wandte sich bereits am Anfang des Jahrhunderts ein argentinischer Bischof an den Vatikan. Sein Mißfallen erregte der Tango, der gerade in den verrufenen Hafenspelunken von Buenos Aires geboren wurde. Papst Pius X. lud daraufhin zwei Tango-Tänzer zu einer Privatvorführung ein. Das "Teufelswerk" gefiel ihm so gut, daß er alle Kritik vergaß.

Durchhalteparolen

So hat man den Schönhuber Franz selten gesehen, im Republikaner, Zentralorgan der gleichnamigen Partei, schon gar nicht. Stumpfäugig blickt der Große Vorsitzende von der Titelseite, fahl, niedergeschlagen sieht er aus. Darunter prangt in großen Lettern: "Keine Ein-Mann-Partei!" Daneben ein Konterfei von Harald Neubauer, gestern noch Fähnleinführer bei Franz Schönhuber, heute schon Feldmarschall der Ultrarechten: smart, sportiv und geradezu schwiegersöhnlich. Bilder und Zeichen in einer Sondernummer "zum Schutz der Partei" – und Durchhalteparolen: "Trotz allem: Ich bin stolz, ein Republikaner zu sein." Wie schnell sich Parolen wandeln. War da früher nicht irgend etwas mit Deutschland?

Frauen-Vormarsch

Immer mehr Frauen halten Einzug in unsere Rathäuser. Eine Umfrage des Deutschen Städtetages für das statistische Jahrbuch der deutschen Gemeinden ergab, daß derzeit fast jedes fünfte Ratsmitglied weiblichen Geschlechts ist. Das sind 19,3 Prozent der vergebenen Mandate – 6,8 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Dabei steigt die Repräsentanz der Kommunalpolitikerinnen mit der Einwohnerzahl. So besetzen Frauen in den Räten der Großstädte durchschnittlich 25 Prozent der Sitze: allen voran Münster und Mainz mit sogar je 37 Prozent. In Gemeinden unter 50 000 Einwohnern hingegen sinkt der Anteil der weiblichen Vertreter auf 17 Prozent. Für die Parteien gilt: je grüner, desto weiblicher. Unter den grünen Mandatsträgern ist das "schwache" Geschlecht nämlich mit 37,7 Prozent am stärksten vertreten, gefolgt von der SPD (22 Prozent), der FDP und den parteilosen Wählergruppen (je 18 Prozent) und zuletzt der CDU/CSU mit nur 15 Prozent.