Für Bentzien ist es nicht die erste Entlassung aus einflußreichen Ämtern. Unter Walter Ulbricht Kulturminister, schickte der ihn wegen politischer Differenzen in die Wüste. Unter Honecker mußte er als Hauptabteilungsleiter Funkdramatik gehen. Er hatte den umstrittenen Film "Geschlossene Gesellschaft" fürs Fernsehen freigegeben. Bei den Regierungen in Ost und West hat sich der streitbare Kommunist als Generalintendant mit seiner Forderung unbeliebt gemacht, den DFF neben ZDF und ARD als drittes öffentlich-rechtliches Programm deutschlandweit zu etablieren. Und seit er Anfang des Jahres anstelle der ARD der französischen Marketingfirma Information et Publicite die Akquisition für die DFF-Werbung übertrug, waren die öffentlich-rechtlichen Herren ebenfalls nicht mehr gut auf ihren Ost-Kollegen zu sprechen. Für Bentzien kam der Rausschmiß durch die neue CDU-Regierung deshalb nicht überraschend.

Keiner kennt die Kosten

Wie viele der insgesamt 13 000 Hörfunk- und Fernseharbeiter in den nächsten Wochen und Monaten auch noch ihren Job verlieren, ist derzeit noch offen. Verglichen mit westdeutschen Sendern gelten die ostdeutschen Anstalten als deutlich überbesetzt. Beim WDR, der von der Hörer- und Zuschauerzahl etwa vergleichbar ist, arbeiten 4500 feste Mitarbeiter. Allerdings beschäftigen die Kölner ganze Heerscharen von freien Kollegen. Für Bernd Neumann, den Vorsitzenden des Bundesfachausschusses Medienpolitik der CDU, ist eines aber ganz klar: "Mit Sicherheit wird ein beträchtlicher Teil nicht weiterbeschäftigt werden." Bei der bevorstehenden Auslese sind, daraus macht der Christdemokrat gar keinen Hehl, keineswegs nur ökonomische Aspekte die entscheidende Richtschnur. "Nur was brauchbar ist, wird eingegliedert", so Neumann.

Während die DDR-Medienlandschaft nicht zuletzt aus machtpolitischen Interessen völlig umgekrempelt werden soll und ein Kahlschlag unter politisch unliebsamen Journalisten geplant wird, scheuen sich die Politiker in der Bundesrepublik sogar, jene Sender aufzulösen, die ihre Existenzberechtigung aufgrund der politischen Umwälzungen im anderen Teil Deutschlands verloren haben: den Deutschlandfunk (DLF) und Rias Berlin.

Der Kölner Sender wurde 1961 wenige Wochen nach dem Mauerbau mit dem Ziel gegründet, vor allem die DDR-Einwohner mit Nachrichten und Informationen aus dem Westen zu versorgen. Seit jeher verfassungsrechtlich umstritten, wird er zu zwei Dritteln aus Bundesmitteln finanziert, der Rest kommt aus Gebühren. Im vergangenen Jahr zahlten die ARD-Anstalten 52 Millionen Mark an den DLF, Bonn steuerte 99 Millionen Mark bei. "Grundsätzlich muß man feststellen, daß durch die Vereinigung beider deutscher Staaten ein wichtiger Teil des bisherigen Auftrages des Deutschlandfunks so nicht mehr gegeben ist", räumt selbst die CDU ein. Geht es jedoch nach den Unionsparteien, soll der DLF nicht etwa aufgelöst werden, sondern dem ZDF als "Hörfunkstandbein" dienen und zukünftig als einziger Radiosender nationenweit senden. Da aufgrund des Verfassungsgebots der Bund den DLF dann nicht länger mitfinanzieren dürfte, müßten die Gebührenzahler in Zukunft für die gesamten Ausgaben aufkommen – höhere Rundfunkgebühren wären die Folge. Gegen die Einverleibung des DLF durch das ZDF hat die SPD zwar protestiert – aufgeben möchten aber auch die Sozialdemokraten den Sender offenbar nicht.

Auch vom Rias mögen sich die Konservativen nicht trennen – im Gegensatz zu den Amerikanern. Die haben angekündigt, daß sie künftig kein Geld mehr für das ehemalige Besatzungskind zahlen. Ohnehin war der US-Beitrag mit drei Millionen Mark bei einem Gesamtetat von 173 Millionen Mark zuletzt kaum noch von Bedeutung. Mit 170 Millionen Mark finanzierte Bonn den amerikanischen Sender fast alleine. "Der bisherige Programmauftrag hat sich erledigt", gesteht die CDU/CSU in ihrem Medienkonzept ein. In Berlin und in der DDR bestehe jedoch der Wunsch, den Rias zu erhalten.

Um dieses Ziel zu erreichen, werden drei Alternativen angeboten: