DIE ZEIT

Der Kandidat will alles

Wenn der Hauskrach in der SPD über den deutsch-deutschen Staatsvertrag, wie Hans-Jochen Vogel gesagt hatte, ein Sturm im Wasserglas gewesen sein sollte, dann war es immerhin einer, der das Glas zum Sturz gebracht hat: Oskar Lafontaine bleibt Kanzlerkandidat – aber Vogel nicht Parteivorsitzender.

Grüne am Abgrund

Das Leben am Abgrund muß seinen eigenen Reiz haben, die Grünen kosten ihn jedenfalls bis zur Neige aus. Auf ihrem Parteitag am vorigen Wochenende vermieden sie zwar den Absturz in die Spaltung.

Brücke aus Worten

Überall wird schon von Durchbruch gemunkelt. Die Sowjetunion, heißt es in Washington wie in Bonn, werde bald all ihre kräftigen njets vergessen, die sie bisher der Einbeziehung des vereinten Deutschlands in das westliche Bündnis entgegengestellt hat.

Ein Datum für alle Deutschen

In das Mißbehagen mancher Bundesbürger, daß diesmal der bezahlte Feiertag des 17. Juni auf einen Sonntag fällt, mischt sich die Ungewißheit, ob es ihn nach der womöglich schon am Jahreswechsel vollzogenen Wiedervereinigung überhaupt noch geben wird.

Uneins in die Vereinigung

Müde legt Willy Brandt seinen Kopf in die linke Hand. Mit leerem Blick schaut er von seinem Platz am vorderen Rand der hohen Bühne hinab ins Parkett, hinein in das Halbdunkel des Sitzungssaales, wo über 400 Delegierte ihren Sonderparteitag mehr ertragen als erleben.

Gratwanderungen ohne Absturz

Wie oft hatten die Potsdamer Richard von Weizsäcker zu ihrem traditionellen Adventslieder-Singen in die Nikolai-Kirche eingeladen! Doch Jahr um Jahr konnte der Bundespräsident die Einladung nicht annehmen, vor allem deshalb nicht, weil Erich Honecker seine protokollarischen Ansprüche angemeldet hatte.

Zeitspiegel

In der Regel sollte gelten: Die Polizei schützt das Eigentum des Bürgers vor Dieben. Wer aber schützt den Bürger, wenn die Polizei der Dieb ist? Dies fragt sich Jan Wong, die Pekinger Korrespondentin der kanadischen Zeitung Globe & Mail.

Ehrung in Harvard: Labsal für des Kanzlers Seele

Zehnmal schon hatte sich Helmut Kohl in einen Talar gezwängt und sich scheußlich gefunden. Für die elfte Ehrendoktorwürde, die er am Donnerstag vergangener Woche an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts entgegennahm, verzichtete er auf das akademische Gewand und kam in Zivil.

Polen braucht den klärenden Disput: Bruderzwist in der "Solidarität"

Ein Mythos, hat sich überlebt, doch seine Träger wollen ihn nicht begraben. Als Massenbewegung gegen den Totalitarismus hat Solidarnosc ihre vereinigende Kraft verloren, doch vor dem Schritt der ideologischen und organisatorischen Aufspaltung schreckt ein großer Teil ihrer politischen Führer noch zurück.

Wolfgang Ebert: Und das Positive?

Es ist beschämend: Die allgemeine Begeisterung über die bevorstehende Vereinigung hält sich in Grenzen, schlimmer noch, es macht sich sogar Pessimismus breit.

Bulgarien: Vertrauen ins Vertraute

Anders als in Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei sind die Kommunisten in Bulgarien bei den ersten freien Wahlen keineswegs in Ungnade gefallen.

Denken an Deutschland: Stichwort: DDR-Diplomatie

Markus Meckel gehört zu den eindrucksvollsten Gestalten der DDR-Regierung: jung, zupackend und selbstbewußt. Plötzlich ist er auf die Weltbühne katapultiert worden und soll nun bei dem entscheidenden Drama mitwirken – den Verhandlungen über die internationalen Aspekte der deutschen Einigung.

Bonner Bühne: Fern vom Druck der Straße

Da haben Bonn und der lokale General-Anzeiger aber Glück gehabt. Das Umfrageinstitut Infratest ermittelte nämlich im Auftrag des Hauptstadtblattes, daß eine deutliche Mehrheit der Befragten Bonn einer Hauptstadt Berlin vorzieht.

Rückblick: Wahlen in Peru: Sieg des Japaners

Der kometenhafte Aufstieg des peruanischen Präsidentschaftskandidaten der Bürgerbewegung Cambio 90, Alberto Fujimori, hat sich bei der Stichwahl fortgesetzt: Nachdem beim ersten Wahlgang am 8.

Diagnose: Schuldig

Schuld! Da kann man doch nicht von Schuld reden!" erbost sich die Mutter eines vor zwei Jahren an Aids gestorbenen Homosexuellen.

Armut macht krank

Gesundheit", sagt Manuel Carballo, verantwortlich für Gesellschaftsstudien in der Aids-Sektion der Weltgesundheitsorganisation WHO, "war schon immer eine abgeleitete Funktion von sozialem Status und geographischer Lage.

Fischmesse: Lachs? Was ist das?

Stellen wir uns vor, wir leiteten einen volkseigenen Fischverarbeitungsbetrieb in der DDR. Natürlich wären wir aufs äußerste gespannt, was die Zukunft, die Marktwirtschaft, uns bringen würde, und hätten darum das vergangene Wochenende in Bremen verbracht: bei der "Fisch ’90 international", einer "Pflichtveranstaltung für alle, die am Aufwärtstrend der Meereskost teilhaben wollen", wie wir der Messe-Sondernummer des Fischmagazins entnommen haben.

Eine neue Partnerschaft

Seit fast zehn Jahren schon steht die Liberalisierung von Cocom an, jenem Instrument, mit dem die westlichen Industrieländer den Transfer moderner Techniken in die kommunistische Welt beschränken und verhindern.

"Das ist absolut beckmesserisch"

ZEIT: Vergangene Woche wurde die Zahl von 100 000 Arbeitslosen gemeldet. Bundesbankdirektor Hans Tietmeyer, der für die Bundesregierung den Staatsvertrag ausgehandelt hat, hält eine Arbeitslosenquote von zehn Prozent für unvermeidlich.

Klaus-Peter Schmid:: Ein gestörtes Verhältnis

Auseinandersetzungen zwischen Bundesregierung und Bundesbank hat es immer wieder gegeben – und das ist gut so. Nur wo Meinungsverschiedenheiten klar ausgesprochen werden können, sind Partner gleichberechtigt.

Konjunktur: Traumhaft

Wann hat es das in der Geschichte der Bundesrepublik schon einmal gegeben: starkes Wachstum bei minimaler Inflationsrate und stetig steigender Zahl von Beschäftigten.

Europa/Amerika: Traumatisch

Ausgerechnet Margaret Thatcher, die standhaft die militärische Rolle der Nato verteidigt, will dort plötzlich den Handel und die Währungsbeziehungen auf die Tagesordnung setzen.

Bonner Kulisse

FDP-Chef Otto Graf Lambsdorff hat sich nie vor mutigen Forderungen gedrückt, das muß man ihm lassen. Was daraus wurde, ist eine andere Frage.

Rundfunk: Auf gesamtdeutscher Welle

Stellen wir uns vor: Die DDR hat ihren Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland erklärt, die ersten gesamtdeutschen Wahlen sind vorbei, wir sitzen wie jeden Abend entspannt vor dem Bildschirm – und plötzlich gibt es kein Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF) mehr.

Zonenrandgebiet: Stunde der Schwindler

Beim Bier in einem oberfränkischen Wirtshaus wurde DDR-Bürger Heinz Scheffer (Name von der Redaktion geändert) redselig. Das bundesdeutsche Sozialnetz sei hervorragend, schwärmte er vor den Trinkkumpanen.

Deutschlandfonds: Eine saftige Quittung

Jetzt sind wir es, die für die deutsche Einheit bluten müssen", klagt Frieda Schenk. Gemeinsam mit ihrem Mann hatte die Friseuse vor vier Jahren eine Eigentumswohnung im Frankfurter Nordend gekauft.

Trocken durch den Mairegen

Was Anfang der vergangenen Monate nur eine Mutmaßung war, ist nun doch Realität geworden: Der Mai entpuppte sich für die deutsche Börse nicht gerade als Wonnemonat.

Warten auf den 1.Juli

an sollte jetzt die Börse schließen und erst in drei Wochen wieder öffnen", entfuhr es am Montag einem Frankfurter Aktienhändler, "die nächsten Tage werden fürchterlich.

Rückläufige Tendenz

Der Blick auf die jüngsten Handelsstatistiken dürfte Weltökonomen erfreuen. Sowohl in der Bundesrepublik als auch in Japan weisen die Zahlen einen Rückgang der Exporte aus.

Giftgasfabrik Rabta: Mauer des Schweigens

Wenn Jürgen Hippenstiel-Imhausen im Großen Saal des Mannheimer Landgerichts zwischen seinen Anwälten Platz nimmt, macht er zunächst den Eindruck, als begänne hier gleich eine wichtigere Geschäftsbesprechung.

Manager und Märkte

co op: Auskunft vom Konkurrenten German Wings: Probleme beim Verkauf Greenpeace: Attacke gegen Manager

Unterhaltungselektronik: Gegen die Norm

Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand redet neuerdings gerne über das Fernsehen. Wann immer er mit Politikern wichtiger Industrienationen zusammentrifft, lenkt er das Gespräch auf sein Lieblingskürzel HDTV, hinter dem sich ein völlig neues TV-System verbirgt.

Rudolf Engen: Noch eine Wartburg

"Der Touristenstrom in die DDR", sagt Dr. P. und erläutert: "Deutschland wird nicht auf den Traumpfaden großer Rhetorik zusammenkommen, sondern auf den Trampelpfaden des Tourismus! Wenn jetzt zwanzig Millionen oder dreißig Millionen Bundis DDR gucken, kann das zur Katastrophe führen.

Nachruf auf eine Utopie

Selten ist ökonomische Fachliteratur so schnell veraltet wie in diesen Tagen. Ganze Bibliotheken von Büchern über die wirtschaftlichen Perspektiven des Sozialismus, über dessen Reform und über die Einführung von marktwirtschaftlichen Elementen in die Planwirtschaft wurden zu Makulatur, als sich die Völker Osteuropas im Herbst 1989 für Demokratie und Kapitalismus ohne Wenn und Aber entschieden.

Deutschland ein Blick zurück

Die Geschichte wiederhole ihre Angebote nicht, warnte Bundesaußenminister Genscher die Deutschen und die Alliierten, man dürfe keine Chancen vertun.

Mit Skepsis und Zuversicht

HAMBURG. – "... und freuen wir uns über diese Entwicklung" – so lauten in diesen Tagen westdeutsche Grußformeln bei der Kontaktaufnahme mit selbstgewählten oder auch zugewiesenen Ansprechpartnern gleicher Ebenen in der DDR.

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