Der Aufsichtsrat der Frankfurter co op AG ist wieder komplett. Neben den Bankiers Wilhelm Esselmann von der DG Bank und Jürgen Kösters, Vorstandsmitglied der BfG Bank, gibt es einen bemerkenswerten Neuzugang: Der Frankfurter Rechtsanwalt Wilhelm Andreas Schaaf, einer der bekanntesten Firmensanierer der Republik, soll den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen. Notwendig geworden war die Neubesetzung, nachdem Sanierer Hans Friderichs mit zwei anderen Aufsichtsräten jüngst das Handtuch geworfen hatte. Friderichs hatte sich nicht mit einer Zerschlagung der co op anfreunden können. Die aber scheint nun von Helmut Guthardt, dem Chef der DG Bank, die mit einem Anteil von 67,5 Prozent größter co op-Aktionär ist, favorisiert zu werden.

Über das künftige Schicksal der co op freilich kann man sich fürs erste – merkwürdig genug – leichter bei einem Konkurrenten informieren als bei der co op selbst. Hans Reischl, der Chef der Kölner Rewe und zugleich Verwaltungsratsmitglied der DG Bank, jedenfalls äußert sich freimütig über die Zukunft seines Konkurrenten. Schon bis Ende Juni soll Reischl zufolge die Entscheidung darüber fallen, welche Firmenteile der co op an welche Interessenten, darunter auch die Rewe, verkauft werden. Nur ein kleiner Kern der co op soll erhalten bleiben.

Ob hier Reischl als Sprachrohr von Guthardt fungiert oder eigene Interessen vertritt, wird sich noch zeigen und auch, welche Rolle der neue Aufsichtsratschef dabei spielen soll. Wilhelm Schaaf, dessen größter Fall die AEG-Sanierung war, hat jedenfalls behauptet, die reine Firmenauflösung liege ihm nicht.

Ursprünglich nur zähneknirsehend geduldet, ist das Spiegel TV zu einer der erfolgreichsten Sendungen bei RTLplus geworden. Die Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein-Westfalen hatte bei der Lizenzvergabe die Kölner gezwungen, Platz für das Programm zu schaffen. Auch Konkurrent Sat 1 wurde verdonnert, das Magazin zu senden. Da es bei den Mainzern einen Tag nach der Ausstrahlung bei RTLplus lief, blieben die Zuschauerquoten bescheiden. Das soll sich nun ändern. Vom 3. Juli an wird Sat 1 ein eigenes dreißigminütiges Spiegel TV bringen, das sich jeweils nur mit einem Thema befaßt. Wenn die Zuschauerzahl stimmt, ist bei den Privaten von ideologischen Bedenken nichts zu spüren – ein Beispiel für ARD und ZDF?

Die Reihe derjenigen, die die Anfang Mai in Konkurs geratene Gesellschaft German Wings (GW) retten wollen, wird immer länger. Aus Moskau ging bei dem GW-Konkursverwalter Eckhart Müller-Heydenreich ein Schreiben ein, in dem die sowjetische Fluggesellschaft Aeroflot Interesse an der Münchner Pleite-Linie zeigt. Gemeinsam mit den Russen könnte es auch dem Münchner Autovermieter Erich Sixt gefallen, mit ins Cockpit der Gesellschaft zu steigen, die es in einjährigem Flugbetrieb nicht geschafft hat, gegen die Staatslinie Lufthansa AG in die Gewinnzonen zu gelangen. Für den expansiven Münchner Autovermieter, der über einen Vermittler in Kontakt zu Aeroflot steht, wäre ein solcher Einstieg bei GW interessant, weil er sich so Zugang zu osteuropäischen Ländern verspricht. "Charterflüge in den Osten wären für uns ein großer Knüller", sagt der Sixt-Finanzchef Manfred Sturm.

Konkursverwalter Müller-Heydenreich sieht die Pläne von Aeroflot und Sixt allerdings mit großer Skepsis, weil beide erst in sechs bis acht Wochen eine Entscheidung treffen wollen. "Ich kann nicht so lange warten", sagt der Münchner Anwalt. Die Gesellschaft löse sich fortwährend auf, außerdem bestehe die Gefahr, daß die "Slots" genannten Flugzeiten von GW schon bald von den Behörden kassiert würden. "Eine Unterschrift müßte in diesen Tagen geleistet werden."

Wenn Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Johannes Rau seinen Wirtschaftsminister Reimut Jochimsen nach der Landtagswahl von 1985 auf den Posten des Landeszentralbank-Präsidenten weggelobt hätte, wäre ihm der Beifall der Wirtschaft sicher gewesen. Damals konzentrierte sich die Kritik an der "roten Wirtschaftspolitik" auf den zuständigen Minister.