Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Jetzt hört man über Jochimsen zunehmend Lob. Vor allem wird ihm bescheinigt, daß er sich im Ausland mit Verve für die nordrhein-westfälische Wirtschaft einsetzt und sich zu keinem Hilfsdienst zu schade ist. Aber just in diesem Augenblick kommt nun doch der Umzug zur LZB. Jochimsen beerbt dort den früheren Finanzminister Hans Wertz, der Anfang Juli 68 Jahre alt wird und dann in Rente gehen muß.

Seit Jahren kämpft die Chemiebranche gegen ihr schlechtes Umweltimage – vergeblich. Nun trifft eine Kampagne der Umweltorganisation Greenpeace erneut zwei Unternehmen hart: die Frankfurter Hoechst AG und die Kali-Chemie aus Hannover. Beide Firmen produzieren nach wie vor erhebliche Mengen des Stoffes Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW), der unter anderem den klimabedrohenden Treibhauseffekt verursacht. Und dafür sind sie von Umweltschützern bereits oft genug kritisiert worden.

Doch dieses Mal werden die Vorstandsvorsitzenden der beiden Firmen, Cyril Van Lierde (Kali) und Wolfgang Hilger (Hoechst) persönlich attackiert: "Alle reden vom Klima. Wir ruinieren es", heißt es auf einem großformatigen Greenpeace-Plakat, von dem 2000 Stück auf Werbewände im gesamten Bundesgebiet geheftet werden sollen. Unter dem Text sind die Konterfeis der beiden Firmenchefs abgebildet. Nach Greenpeace-Auffassung müssen sich Van Lierde und Hilger als "Personen der Zeitgeschichte" die Vorwürfe gefallen lassen.

Tatsächlich reagierten die angeprangerten Unternehmen vorerst nur mit Pressemeldungen, in denen sie ihre Pläne zur Verminderung der FCKW-Produktion darstellen. Danach soll bis 1995 der Ozonkiller in der Bundesrepublik nicht mehr hergestellt werden. Ob auch rechtliche Schritte gegen die Plakataktion erfolgversprechend sind, wurde zu Beginn der Woche noch geprüft. Doch einer, der dazu sein Einverständnis geben müßte, erholt sich derzeit vom Managerstreß: Cyril Van Lierde. Bis Montag nachmittag war er für die Firmenzentrale in Hannover unerreichbar.

Fritz Vorholz