Von August Rüggeberg

Fünf unförmig pralle Reisetaschen (jede sicher über dreißig Kilo schwer), zwei große Koffer (für jedes Kind einer), zwei übervolle Wanderrucksäcke, diverses Kleingepäck zum Umhängen, zwei vom Gepäckschieben schnaufende Kinder, zwei leicht genervte Erwachsene und nicht zuletzt zwei durchaus stattliche Labradorhunde quellen nach und nach aus dem Ausgang des Abfertigungsgebäudes heraus.

"Ja, wo kommen Sie denn her – waren Sie zwei Wochen, zwei Monate oder zwei Jahre auf Bornholm?" empfängt uns der nach Sprache und Statur durchaus holsteinische Taxifahrer am Skandinavienkai in Travemünde.

"Nur gut, daß wir das 4,20 Meter lange Surfbrett beim Bauern auf Bornholm in der Scheune einlagern durften", denke ich. Aber ich sage nichts, um dem gepäckwuchtenden Holsteiner noch größere Zweifel am Geisteszustand dieses quirligen Wanderzirkus zu ersparen. "Is’ man gut, daß ich den Bus dabeihabe, das ist nämlich das einzige Bustaxi in Lübeck und Travemünde", erklärt er uns.

So ein Glück, wirklich. Aber Glück braucht man tatsächlich, wenn man mit Gepäck für einen Universal-Sporturlaub reist und allen liebenswerten Requisiten zur gemütlichen Ausstaffierung eines einfachen Holzhauschens. Und wir sind ohne Auto unterwegs.

Das Paddelboot, das die Kinder zum Geburtstag bekommen haben, das Surfbrett – "wir müssen das doch einmal ausprobieren" –, Reitstiefel und Reiterhelme für unsere Abenteuerausritte am Strand und durch die dichten Kiefernwälder von Südbornholm, dicke Wollsachen – "man weiß ja nicht, ob es ein kalter Sommer wird", aber dieses Mal wurde es ein warmer, für den wir natürlich die dünnen Sachen mithatten –, ein knappes Dutzend Gesellschaftsspiele für uns und alle Nachbarn – diesmal nur abends gefragt, tagsüber schien die Sonne stapelweise Bücher zum Lesen und Vorlesen und, neben dem, was man sonst natürlich unbedingt braucht, noch Bettwäsche und Handtücher.

Irgendwie geht es auch ohne Auto. Als erstaunlich erleben wir die Wirkung auf unsere Mitmenschen, besonders auf Urlauber, die positiver auf außergewöhnliche, verrückte Situationen zu reagieren scheinen, als streßgeplagte Alltagsmenschen. Da eröffnen sich nie gekannte Möglichkeiten der Kontaktanbahnung zu vorwiegend kraftigen, stets aber freundlich hilfsbereiten Mitreisenden. Zugegeben, einen wesentlichen Teil des Gepäcks sowie das Surfbrett hatten wir fünf Tage vor Abreise der Deutschen Bundesbahn anvertraut. Reiner Zufall, daß ich um 19.25 Uhr am Gepäckschalter des Bahnhofs Travemünde Strand eintrudelte, obwohl unser Schiff planmäßig erst vier Stunden später abfahren sollte. "Später hätten Sie auch nicht kommen dürfen, in fünf Minuten mache ich zu", meinte der Mann am Gepäckschalter.