Selten ist ökonomische Fachliteratur so schnell veraltet wie in diesen Tagen. Ganze Bibliotheken von Büchern über die wirtschaftlichen Perspektiven des Sozialismus, über dessen Reform und über die Einführung von marktwirtschaftlichen Elementen in die Planwirtschaft wurden zu Makulatur, als sich die Völker Osteuropas im Herbst 1989 für Demokratie und Kapitalismus ohne Wenn und Aber entschieden. Und manche Werke zur "Politischen Ökonomie des Sozialismus", wie man dies in der marxistischen Orthodoxie nannte, wirken heute nachgerade gespenstisch.

Um so bemerkenswerter, wenn heute ein Buch zu den Problemen des Sozialismus auf den Markt kommt, das – obwohl bereits Ende 1988 geschrieben – durch die Umwälzungen im einstigen Ostblock in vollem Umfang bestätigt wurde:

  • Wlodzimierz Brus, Kazimierz Laski:

Von Marx zum Markt

Metropolis-Verlag, Marburg 1990; 180 Seiten, 29,80 DM.

Die beiden polnischen Ökonomen Brus und Laski veröffentlichten ihre Untersuchung im vergangenen Jahr in englischer Sprache; jetzt hat der kleine, auf nichtorthodoxe Wirtschaftsliteratur spezialisierte Marburger Metropolis-Verlag das Buch auf deutsch herausgebracht. Es ist ein Buch, wie Brus und Laski im Vorwort zur englischen Ausgabe schreiben, dessen bescheidener Umfang "den Zeit- und Arbeitsaufwand der Autoren eher verbirgt, als ihn zu offenbaren". Und es ist zu vermuten, daß in dem Werk auch eine ganze Menge Trauerarbeit steckt. Denn sowohl Brus als auch Laski haben den Weg "von Marx zum Markt" nicht nur analysiert, sondern ihn in ihrer eigenen wissenschaftlichen Arbeit nachvollzogen – von überzeugten Kommunisten wurden sie zu ebenso überzeugten, wenn auch kritischen Anhängern der Marktwirtschaft.