Einen schwarzen Stern? Nein, einen schwarzen Stern wollten die Bremer sich von den Piloten nicht anheften lassen und damit zugeben, daß sie einen "kritisch mangelhaften" Flughafen haben, der von den Besatzungen als schlechtester eingestuft wird.

Zugegeben, die eine Start- und Landebahn ist etwas kurz. Und es gibt auch kein elektronisches Landesystem für sehr schlechtes Wetter. Die Rollwege sind auch nicht ideal. Aber dafür ist der Flughafen doch so gemütlich und übersichtlich.

Überhaupt, ist der Bremer Flughafen so viel schlechter als der zweite Provinzflughafen an der Küste? Nur ein orangener Stern (mangelhaft) für Hamburg? Beide Hansestädte, die einst mit ihren nassen Häfen reich und mächtig geworden sind, haben für ihre trockenen Häfen nicht viel übrig gehabt.

In Bremen zog die Flughafengesellschaft vor den Kadi und konnte diesen überzeugen, daß ein schwarzer Stern nicht gerechtfertigt wäre. Schließlich habe man ja die von den Piloten kritisierte mangelnde Griffigkeit der Landebahn beim Bremsen verbessert. Immerhin bekam Bremen nun einen roten Stern (sehr mangelhaft). Doch nach wie vor beharrt der Senat auf seinem Schildbürgerstreich: Die Landebahn 27/09 wurde zwar verlängert, damit in Bremen gefertigte Airbus-Teile mit dem Flugzeug nach Toulouse transportiert werden können, für die Verkehrsflugzeuge hat der Senat diese Verlängerung jedoch aus politischen Gründen gesperrt. Dies, so schreiben die Piloten, "erzeugte auf internationalen Meetings der Pilotenvereinigungen nicht nur Lächeln, sondern ungläubiges Erstaunen".

Aber auch die sparsamen Schwaben haben am falschen Ende gespart, so daß Stuttgart in der Gunst der Flieger ziemlich weit unten steht und ebenfalls einen roten Stern bekam. Die Mängelliste für Stuttgart ist lang, doch sie bezieht sich eigentlich nur auf einen Punkt: Die Weidacher Höhe ist im Wege. Deshalb können keine vernünftigen Landebahnen installiert werden, deshalb ist die Landebahn zu kurz und kann nicht optimal genutzt werden, deshalb ist bei Triebwerksausfall "der Hindernisabstand zur Weidacher Höhe nicht in allen Fällen gewährleistet". Eine Verschiebung der Startbahn – wie geplant – könnte all dem abhelfen. Doch dagegen bemühen die Anrainer seit Jahren die Gerichte.

Auch andere deutsche Flughäfen werden in der Mängelliste kritisiert, die von den in der Vereinigung Cockpit zusammengeschlossenen Piloten alljährlich veröffentlicht wird (leider weitgehend mit dem für Laien unverständlichen Fachjargon durchsetzt). Die Piloten klagen beispielsweise über ungenügend markierte Rollwege oder über das Fehlen von Schildern mit wichtigen Informationen, wie sie im Ausland üblich seien. Sie betonen aber, daß "die deutschen Verkehrsflughäfen in Ubereinstimmung mit den Mindestanforderungen der ICAO ausgerüstet sind". Die ICAO ist eine von den Regierungen gebildete internationale Organisation für die zivile Luftfahrt.

Den Mindestanforderungen zu genügen, sollte für die deutschen Verkehrsflughäfen allerdings nicht genug sein. Denn die drei wichtigsten Dinge in der zivilen Luftfahrt sind nun einmal: Sicherheit, Sicherheit und nochmals Sicherheit. Dafür muß alles nur Mögliche getan werden. Und dafür sollten sich die Flughäfen ruhig dem Urteil derjenigen unterwerfen, die sich täglich mit den Mängeln herumschlagen müssen.