Der kometenhafte Aufstieg des peruanischen Präsidentschaftskandidaten der Bürgerbewegung Cambio 90, Alberto Fujimori, hat sich bei der Stichwahl fortgesetzt: Nachdem beim ersten Wahlgang am 8. April keiner der Bewerber die absolute Mehrheit erreicht hatte, setzte er sich nun mit über 55 Prozent der Stimmen gegen den Schriftsteller Mario Vargas Llosa durch. Mit ihrem Votum für den parteilosen Technokraten, den noch vor drei Monaten kaum einer kannte, gaben die Peruaner ihrer tiefen Unzufriedenheit über die traditionellen Parteien Ausdruck. Sie haben den Inka-Staat, dessen Bürger unter einer jährlichen Inflationsrate von 2000 Prozent leiden, der zahlungsunfähig ist und nur einem Fünftel seiner Bevölkerung eine geregelte Arbeit bietet, in die schwerste Wirtschaftskrise seiner Geschichte gestürzt.

Der Agraringenieur Fujimori setzte im Wahlkampf geschickt auf seine asiatische Abstammung. Denn mit dem Sohn japanischer Einwanderer können sich die Mestizen und Indios, die vier Fünftel der zwanzig Millionen Einwohner Perus stellen, leichter identifizieren als mit dem "Weißen" Vargas Llosa. Sein vergleichsweise sparsamer Wahlkampf – Fujimori fuhr häufig mit einem Traktor zu seinen Auftritten –, sein bescheidenes Auftreten und der Slogan "Ein Präsident wie du" fanden besonders in den Elendsvierteln von Lima und in den entlegenen Anden-Dörfern Anklang.

Dabei konnte der ehemalige Rektor der nationalen Landwirtschaftshochschule, der sich selbst als praktizierenden Katholiken bezeichnet, auf die Unterstützung der evangelischen Kirchen und Sekten zählen. Trotz heftiger Gegenreaktionen durch die katholische Kirche, einem traditionellen Verbündeten der weißen Machtelite, gewinnen die Protestanten mit ihrer Basisarbeit bei den unteren Schichten immer mehr an Zulauf. Erfolg hatte Fujimori schließlich mit seinem Versprechen, sich für Hilfsgelder und Investitionen des bewunderten Wirtschaftsriesen Japan einzusetzen. Vargas Llosa konnte sich dagegen nie von dem Makel befreien, der "Kandidat der Reichen" zu sein.

Der 52jährige Einwanderersohn steht jetzt unter Erfolgszwang: Baut er nicht bald die marode Staatswirtschaft ab – sein vages Regierungsprogramm setzt lediglich auf "behutsame Privatisierung" –, drohen sich die ethnischen und konfessionellen Spannungen schnell zu schweren sozialen Unruhen auszuweiten. Und dies wäre Wasser auf die Mühlen der maoistischen Untergrundorganisation Leuchtender Pfad und der Militärs, die sich immer wieder als "Garant der Ordnung" in die peruanische Innenpolitik eingemischt haben. J.A.