Ausgerechnet Margaret Thatcher, die standhaft die militärische Rolle der Nato verteidigt, will dort plötzlich den Handel und die Währungsbeziehungen auf die Tagesordnung setzen. Was steckt hinter ihrem Vorschlag, man solle eine "Freihandelszone" zwischen der EG und Nordamerika einrichten und den Dollar in das Europäische Währungssystem "einbeziehen"?

Freihandel ist ein löbliches Ziel, das in der laufenden Uruguay-Runde des Gatt erörtert wird. Auch das Verhältnis zwischen dem Dollar und dem EWS ist schwerlich ein Nato-Thema. Und doch will Frau Thatcher im Rahmen des Militärbündnisses darüber reden. Warum? Weil sie befürchtet, daß sich die Amerikaner nach und nach von Europa distanzieren, was apropos auch die Position Großbritanniens schwächen würde. Zum anderen entspricht es ihrer Absicht, den Zug zur Europäischen Währungsunion zu bremsen.

Die Premierministerin zöge einen lockeren Verband souveräner europäischer Staaten vor, mit dem die Vereinigten Staaten – "unser wichtigster Alliierter" – qualitativ ganz neue wirtschaftliche und finanzielle Verbindungen eingehen könnten. Diese Suche nach neuen Formen des transatlantischen Zusammenhalts bestätigt erneut Margaret Thatchers traumatische Ängste vor der europäischen Integration und der Verschiebung des Kräftefeldes zur Mitte Europas hin. kr