Wann hat es das in der Geschichte der Bundesrepublik schon einmal gegeben: starkes Wachstum bei minimaler Inflationsrate und stetig steigender Zahl von Beschäftigten. Ein Jahreswachstum von vier Prozent scheint aus heutiger Perspektive durchaus möglich. Und nun sieht es auch noch danach aus, daß der riesige deutsche Exportüberschuß auf ein vernünftiges Maß zurückgehen wird. Eine wahre Traumkonstellation!

Am erstaunlichsten ist dabei die Stabilität der Preise. Trotz Investitionsboom und ungebrochener Verbrauchskonjunktur übersteigen die Verbraucherpreise die Vorjahres werte nur um 2,3 Prozent. Die Importe sind um drei Prozent billiger, die Energiepreise bleiben günstig, der Dollar spielt mit. Auch von den Lohnrunden gingen noch keine preistreibenden Wirkungen aus.

Doch vor Übermut sei gewarnt. Das Abenteuer der deutschen Einigung kann angesichts der wenig soliden Finanzierungspläne unangenehme Überraschungen für die Preisstabilität bereithalten (siehe auch Seite 27). Sogar die EG-Kommission hat jetzt den Trend zu mehr Staatsschulden in der Bundesrepublik als "beunruhigend" bezeichnet. Wenn Bonn hier nicht aufpaßt, sind die Preise schnell außer Kontrolle. Das wäre ein böses Erwachen aus dem Traum von der goldenen Konjunktur. smi