Von Reinhold Rombach

Was Anfang der vergangenen Monate nur eine Mutmaßung war, ist nun doch Realität geworden: Der Mai entpuppte sich für die deutsche Börse nicht gerade als Wonnemonat. Im Gegenteil, das Kursbarometer Dax brachte etliche Turbulenzen hinter sich und geriet mehrfach in Gefahr, das Jahresauftaktniveau von 1814 Punkten zu durchbrechen. Die Irritationen um die Währungsunion und die für Aktien per se gefährlich hohen Zinsen ließen die Luft in den Börsensälen immer dünner werden. Auch für die Teilnehmer des ZEIT-Börsenspiels war das keine leichte Aufgabe.

Tim Schmiel von der Westfalenbank brachte das respektable Kunststück fertig, von seinem bisher erwirtschafteten Vermögen in den vergangenen vier Wochen kaum etwas abgeben zu müssen. Lediglich 1600 Mark Substanzverlust waren sein Tribut an den unfreundlichen Mai. Damit führte der Düsseldorfer Banker vor, mit welchen Titeln man eine schwierige Zeit glanzvoll überstehen kann. Ein Vermögenszuwachs von 26,85 Prozent seit Jahresbeginn ist angesichts des kümmerlichen Anstiegs des Dax von eben mal 1,27 Prozent eine meisterliche Leistung.

In den nächsten Wochen wird sich die deutsche Börse nach Schmiels Meinung nicht wesentlich nach oben oder unten verändern, so daß kein Anlaß bestehe, aus den "konservativen" Titeln auszusteigen. Allerdings sieht man im Hause der Westfalenbank durchaus gute Chancen für andere europäische Börsenplätze. Daher auch der Entschluß, Ende des vergangenen Monats die Barschaft aufzulösen und Moulinex-Aktien zu kaufen. Bei Mikrowellenherden und Küchengeräten ist das französische Unternehmen Marktführer in Europa und dürfte auch weiterhin von der guten Konsumkonjunktur profitieren.

Durch Akquisitionen wurde insbesondere in Großbritannien und Italien die Marktposition gefestigt. Mit einem Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV) von elf gilt Moulinex als Aktie eines Wachstumsunternehmens dieser Art als zu billig.

Bernd Gehler von der Deutschen Bank wird wohl mit einiger Wehmut auf den April zurückblicken. Damals konnte sich die Wertentwicklung seines Depots noch sehen lassen, mehr als 23 Prozent Plus standen da zu Buche. Aber in zwei Monatsschritten verlor er jeweils runde 8000 Mark. Damit blieb ihm aktuell nur noch ein Zuwachs von 7,77 Prozent auf das Startkapital. Verglichen mit der Entwicklung des Dax ist das freilich nicht übel, hat aber keine Spur mehr von Brillanz und Grandezza. Die Gründe für den Verlust? Mehr als die Hälfte des eingesetzten Geldes ist in hochspekulativen Optionsscheinen investiert und wehe, wenn da die Börse – wie momentan – in unruhiges Fahrwasser gerät. Die bessere Lösung wäre vermutlich gewesen, die erreichten Gewinne erst einmal sicherzustellen und einen Teil in die Kasse, den Rest in defensivere Titel zu stecken. Hinterher ist man immer schlauer. Gleichwohl mußte auch ein erfahrener Mann wie Bernd Gehler die bittere Lektion schlucken, daß ein riskantes Engagement viel Geld kosten kann.

Besonders ärgern wird ihn dabei, daß er das meiste Geld mit Titeln auf sein eigenes Institut verloren hat, also mit den Covered Warrants (gedeckte Optionsscheine) auf die Deutsche Bank. Als Gehler Anfang des vergangenen Monats diese marktengen Titel kaufte, gab es in der Branche das eine oder andere Schulterzucken. "Wenn er jetzt Titel auf das eigene Haus kauft, kann das ja fast nicht schiefgehen", orakelte ein Frankfurter Banker und aufmerksamer Beobachter des Börsenspiels. Nun ist Bernd Gehler neben dem Verlust auch noch die Schadenfreude so mancher Mitmenschen sicher.