Der Einband des "Autoreisebuchs DDR & Berlin" (RV Verlag, München 1990; 208 S., 29,80 DM) zeigt knallbunte Postkartenbilder, die sich ebenso in den DDR-Propagandaprospekten fürs Ausland fanden. So wollte die offizielle DDR gern gesehen werden: als farbenfrohes, properes Land im Herzen Europas, stolz und schön.

Auch die Photos im Buch sind durchweg "euphemistisch", sie sparen die lebendige DDR aus. (Peinlich genug, wenn mal ein Trabi vorm restaurierten Rathaus steht.) Wir sehen ein Land, das dem Westtouristen ganz zur Verfugung steht, weil da anscheinend niemand wohnt. Und für jede Region werden "landestypische Gerichte" genannt. Diese Weltfremdheit ist kaum zu übertreffen: Als ob man nicht froh sein mußte, wenn man – wo auch immer – die allerdings landestypische Soljanka, ein Schnitzel mit "Sattigungsbeilage" oder ein Wurzfleisch bekommt.

Das Buch ist für Ausländer geschrieben, für Leute, die sich erholen und bilden wollen in der Geschichte der deutschen Ritter und Fürsten und Mönche; es ermutigt nicht zur Begegnung mit dem, was die DDR heute ist, und Ermutigung braucht es da durchaus.

Martin Ahrends