Balla balla

Bild ist jetzt die größte Zeitung in Europa. Jeden Tag 5,5 Millionen Auflage. Bild bringt’s eben, z. B.: Schon 100 000 Deutsche leiden an Sexsucht. Sex hat nicht nur angenehme Seiten, Sex kann auch ein Leiden sein. Schlimm! Heilung nur durch starke Abstinenz möglich. Kennzeichen dieses Leidens: Der Sex macht den Betroffenen keinen Spaß mehr. Sie bekommen Schuldgefühle. Wie der 34jährige Düsseldorfer Peter S.: Er geht dreimal täglich ins Bordell, weil seine Frau seine Gier nicht mehr aushält. "Nach einem Orgasmus ekele ich mich." Oder der 47jährige Priester: Er stahl das Geld aus der Sammelbüchse seiner Kirche, um sich bei einer Prostituierten Erleichterung zu verschaffen. Erschütternd auch der Bericht der bildhübschen Bürokauffrau Julia B. (24): "Der Drang zum Sex hat mein Leben ruiniert." Dennoch jeden Abend Disco, neue Männer.

Verrückt: ein Jahr verplempert jeder Mensch vor roten Ampeln. 22 Jahre seines Lebens verschläft der Mensch, ergab eine neue Studie. Weitere Ergebnisse: In 70 Lebensjahren arbeitet man 16,5 Jahre, ißt 3,5 Jahre, liest ein Jahr Zeitung, arbeitet ein halbes Jahr im Garten. Frauen stehen 4,5 Jahre am Kochtopf, brauchen vier Jahre zum Einkaufen. Die wenigste Zeit bleibt für den Sex. Sexualforscher Dr. Marcus Wawerzonek aus Hamburg: "In 70 Lebensjahren nur durchschnittlich 40 Stunden."

Aber wenn es schon 100 000 Sexsüchtige gibt? Dreimal täglich ins Bordell für 40 Sekunden? Da stimmt doch was nicht! Egal, denn: Noch schlimmer als der Sex-Wahnsinn ist der Fußball-Irrsinn. "Jaaa! Deutschland balla balla!" Millionen im WM-Fieber. Jeden Tag 21 Stunden Fußball im TV. Freibier für jedes deutsche Tor. Brauereien raten: Vorsorge treffen. Unternehmer Klaus Möllering (36) hat seine Frau und die beiden Söhne in Zwangsurlaub an die Nordsee geschickt: "Mein Schwager zieht zu mir. Dann können wir in Ruhe alle Spiele verfolgen." Und Marion, die kesse 19jährige aus Kiel, schiebt ihr heißes Trikot in die Höhe: Da steht es schon 2:0 für Deutschland. Was sonst noch los ist und was Rudi Völler will: Alles auf der letzten Seite.

McEnroe: Auch wahnsinnig. Der Tennis-Star (31) braucht einen Psychiater. Er gesund: "Sobald ich auf den Platz trete, werde ich wahnsinnig. Mir ist selbst klargeworden, daß ich zum Problem für mich selber geworden bin und Hilfe brauche."

Und in Moskau: Amokläufer – 2 Tote. Putzfrau, Wachmann, Bauchschüsse. Zuvor wollte W. Iljuschin seiner Ex-Frau die Hand abhacken.

Sex-Wahnsinn. Ampel-Wahnsinn. Fußball-Wahnsinn. Tennis-Wahnsinn. Moskau-Wahnsinn. Und wir werden auch bald wahnsinnig.

"Zeit"-Redakteur (31) las Bild beim Essen, verwechselte Dosenöffner mit Fischstäbchen. Verschluckt! Intensivstation. "Zeit"-Chef Sommer: "Selber schuld."