Leihwagen

In der Regel sollte gelten: Die Polizei schützt das Eigentum des Bürgers vor Dieben. Wer aber schützt den Bürger, wenn die Polizei der Dieb ist? Dies fragt sich Jan Wong, die Pekinger Korrespondentin der kanadischen Zeitung Globe & Mail. Am 4. Juni 1989, als das chinesische Militär die Demokratiebewegung niederschlug, hatte Frau Wong ihren beigefarbenen Toyota vor dem Peking-Hotel im Zentrum der Hauptstadt geparkt. Drei Tage später war der Wagen verschwunden. Erst im vergangenen Monat tauchte er wieder auf – mit einem Nummernschild der Polizei und mit einer Sirene auf dem Dach. Frau Wong protestierte und erhielt ihr Auto zurück. Allerdings erst am 5. Juni: Offenbar meinte die Pekinger Polizei, der Leihwagen könnte ihr bei eventuellen Einsätzen am Jahrestag des Massakers noch nützliche Dienste leisten.

Mit gutem Beispiel voran

Die Schweizer Regierung hängt die Meßlatte für sich selbst hoch: "Es steht außer Zweifel, daß der Bundesrat auch in bezug auf die Einhaltung der Gesetze mit gutem Beispiel vorangehen muß. Seine Mitglieder sind sich dessen bewußt", antwortete sie einem Züricher Nationalratsabgeordneten. Dieser stieß sich daran, daß der temperamentvolle Wirtschaftsminister Jean-Pascal Delamuraz seine Fahrer zu gesetzwidriger Raserei anhält, was weithin bekannt ist. Die Stellungnahme von Delamuraz’ Mitregenten dürfte den Volksvertreter erstaunt haben. Oder ist in der Schweiz das "gute Beispiel" so zu verstehen, daß die zulässige Höchstgeschwindigkeit fortwährend überschritten wird – und dies nur wenige Monate, nachdem sich die Eidgenossen an der Urne für die Beibehaltung des Tempolimits auf Autobahnen von 120 Stundenkilometern ausgesprochen haben?

Mit Weitblick

Nach Jean Monnet, dem Begründer des Gedankens der europäischen Integration, und Willy Brandt, dem Begründer der deutschen Ostpolitik, ist die britische Premierministerin Margaret Thatcher erst die dritte Politikerin, die in der vierzigjährigen Geschichte des amerikanischen Aspen-Instituts die Auszeichnung für Staatsmänner (und -frauen) erhält. In einer Dankesrede will sie bei der Preisverleihung im August über "Erneuerung: Führung und Werte für das 21. Jahrhundert" sprechen. Vielleicht bleibt die Eiserne Lady den Briten doch länger erhalten, als manche von ihnen vermuten.

Ausgezeichnete Frauen

Die Zeitschrift Emma verlieh zum ersten Mal einen Journalistinnen-Preis. Unter den sieben Ausgezeichneten waren gleich vier ZEIT-Frauen aus dem "Modernen Leben": Esther Knorr-Anders für ihre Reportage über Inzest: "Wenn es einer erfährt, schlägt er mich krumm"; Susanne Mayer über jüdische Flüchtlingskinder: "I am a Kind"; Anna von Münchhausen über Sekretärinnen: "Wenn sie mehr weiß als er"; Viola Roggenkamp für eine Glosse über "Frauensprache": "Ein Stück weit" (erschienen in Emma).